Giacomo Meyerbeer: "Le Prophète", Montage rbb
Bild: Oehms Classics

Oper - Giacomo Meyerbeer: "Le Prophète"

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Meyerbeers großes Spektakel "Der Prophet" gehört zu den populärsten Opern des 19. Jahrhunderts, doch auf dem Markt spiegelte sich das bisher kaum wieder. Es gab nur eine offizielle Gesamtaufnahme des Werks – aus den 70ern. Nun ist eine neue erschienen.

Erst seit 2007 gibt es von diesem Werk eine gute kritische Ausgabe, seitdem sind weltweit auch mehr Aufführungen verzeichnen. Diese bei Oehms ist ein Mitschnitt einer hochgelobten Produktion aus Essen vom Frühjahr und damit die erste offizielle Aufnahme, die wirklich entsprechende Rücksicht nimmt auf Meyerbeers ursprüngliche Wünsche.

Zwischen seiner ursprünglichen Vision und dem von der Pariser Operá realisierten Endergebnis und damit der lange gespielten Premierenfassung gibt es enorme Diskrepanzen. Diese gleichen fast gespenstisch denen, die Verdi ca. 20 Jahre später am selben Haus hatte: Betrug die Länge der Generalprobenfassung noch 4 Stunden und 16 Minuten, fehlten in der Premiere 40 Minuten, die Meyerbeer gezwungenermaßen kürzen mußte. Hinzu kamen weitere Änderungen, um Sängerwünschen und Hausgepflogenheiten zu entsprechen.

Dieser Mitschnitt der Essener Produktion (ärgerlicherweise auch wieder verunstaltet durch die Unsitte, Beifall herauszuschneiden), bietet nicht die volle Partitur. Dennoch sind wichtige Teile rekonstruiert, die Meyerbeer besonders schmerzlich vermisst hat und die hier erstmals zu hören sind – zum Beispiel der Tod seiner weiblichen Hauptfigur, der Berthe mit obligatem Saxophon oder eine bisher immer gestrichene Arie Jeans.

Besser dirigiert als die Berliner Version

Wir hier in Berlin konnten ebenfalls gerade einen gut besetzten Propheten erleben in beträchtlicher Länge – schade, dass diese Produktion vermutlich nicht auf die Platte kommt. Die Deutsche Oper schrieb auf Anfrage, dass das letzte Wort in dieser Sache noch nicht gesprochen sei, aber vermutlich wird daraus nichts.

Aber auch mit der Essener Fassung läßt sich gut leben, vielleicht sogar besser, zumal hier eine größere Partitursorgfalt herrscht. Vor allem fand ich den Essener Propheten um Strecken besser dirigiert – ich bin kein großer Fan von Enrique Mazzola als Meyerbeer-Dirigent, das Orchester der Deutschen Oper klang über weiter Strecken steif, bollerig und wenig gallisch. Giuliano Carella ist da ein ganz anderes, eleganteres Kaliber, ein Belconto-Experte, und das Schlittschuhballett, mit dem jeder gute Prophet steht und fällt, habe ich kaum je so schön, federnd und spritzig gehört wie hier unter seiner Leitung.

Anstrengende Mutter

Der Prophet wird trotz vieler kleiner Rollen getragen von drei Partien, der Berthe, der Mutter des Proheten und dem Propheten selbst. Dieser hat hier die extrem schwere Aufgabe, den stilistischen Mix aus frühem Wagner und spätem Donizetti zu stemmen – ich beneide keinen Tenor, der sich da heranwagt. John Osborn ist nicht so gut wie Nicolai Gedda, der die Partie mal für den italienischen Rundfunk komplett eingesungen hat und bis heute der unschlagbare Jean bleibt, aber er reicht nahe heran.

Lynette Tapia als Berthe, seine Verlobte, ist eine interessante Wahl – keine große dramatische Sopranstimme, sondern hier besetzt als Soubrette in der Preislage von Mady Mesplé oder Reri Grist. Das zeigt verblüffende Wirkung, denn dadurch scheint die Partie fragiler, schlanker, französischer – auch wenn Frau Tapia manchmal etwas angestrengt klingt, ist sie stilistisch eine Offenbarung.

Die große Enttäuschung, und das verdirbt wirklich vieles an diese ansonsten so gelungen Aufnahme, ist Marianne Cornetti als Mutter Fides. Sie hat gigantische Aufgaben, in diesem Fall zu gigantische. Die Stimme ist einfach überfordert mit der Rolle, und während die Sängerin im 1. Akt noch passabel mitkämpft, sind die Anstrengungen und auch das Forcieren des recht mulschigen Mezzos in der zweiten Hälfte für mich zu offensichtlich und trüben den Genuss deutlich ein. Schade, denn sonst wäre das hier wirklich ein mehr als passabler akustischer Prophet fürs frühe 21. Jahrhundert.

Lobenswert ist wie so oft bei Oehms die Gestaltung von Box und Booklet – beschämend, dass ein kleines Label genau die Sorgfalt und Opulenz liefert, die man von der reichen Konkurrenz erwarten würde und die dort oft enttäuschend mager ausfällt.

Matthias Käther, kulturradio

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