"Johann Gottlieb Janitsch: Orchester- und Kammermusik mit Tempesta di Mare"; Montage: rbb
Bild: Chandos Records

Alte Musik - Johann Gottlieb Janitsch: Orchester- und Kammermusik mit "Tempesta di Mare"

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Berliner Barockmusik mit amerikanischen Interpreten – das Ensemble Tempesta di Mare aus Philadelphia spielt Werke von Janitsch.

Für die Berliner Musikgeschichte ist Johann Gottlieb Janitsch von größter Bedeutung: Aus Schlesien stammend, war er zunächst in Ruppin einer der ersten Mitglieder in der Hofkapelle des Kronprinzen Friedrich. Nach dessen Regierungsübernahme als König Friedrich II. wechselte auch Janitsch nach Berlin und zählte fortan neben den Brüdern Graun, dem Flötisten Quantz und dem Cembalisten Carl Philipp Emanuel Bach zu den einflussreichsten preußischen Hofmusikern.

Parallel engagierte er sich für ein bürgerliches Musikleben in Berlin und lud befreundete Instrumentalisten zum gemeinsamen Musizieren in seine Wohnung ein. Diese regelmäßigen Zusammenkünfte wurden zum Vorbild mehrerer privater Musikvereinigungen, die den Grundstein für das öffentliche Konzertleben in Berlin legten. – Dennoch sind Einspielungen mit Janitschs Werken eher Mangelware. Jetzt hat sich mit Tempesta di Mare ein amerikanisches Barockensemble dem Berliner Barockmeister gewidmet.

Quartettsonaten als Königsdisziplin

Viele seiner kammermusikalischen Kompositionen hat Janitsch explizit für seine Akademien komponiert. Insbesondere die mehr als 40 überlieferten Quartettkompositionen Janitschs beeindrucken in ihrer großen Klangschönheit und technischen Qualität.

Besetzt mit drei Melodieinstrumenten und Basso continuo galten Quartettsonaten Mitte des 18. Jahrhunderts als eine Art "Königsdisziplin" der Kammermusik. Vier dieser Sonaten sind auf der neuen CD von Tempesta di mare zu hören. Ausgewählt wurden sehr unterschiedliche und originelle Stücke, so auch das "Passionsquartett", das den Choral "O Haupt voll Blut und Wunden" verarbeitet. Die "Chamber Players" des Ensembles spielen diese Janitsch-Quartette mit großer Stilsicherheit und Souveränität. Sie arbeiten die kontrapunktischen Strukturen sehr präzise heraus, kosten aber auch die galante Seite der Sonaten aus. Einziger trübender Punkt ist zuweilen die Solovioline, die zwar makellos intoniert, aber im Vergleich zu Flöten und Bratschen allzu scharf und forsch klingt.

Ouverture grosso

In voller Besetzung präsentieren die Musiker von Tempesta di Mare schließlich die "Ouverture grosso" von Janitsch, ein raffiniert angelegtes Stück für zwei Orchestergruppen. Die Präzision, mit der die Kammermusik dargeboten wurde, findet sich hier allerdings nicht wieder. In den Eckseiten könnte etwas mehr Feuer sein, und manch doppelchörige Struktur hätte noch besser herausgearbeitet werden können.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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