Gwen Cresens: Piazzolla | Galliano; Montage: rbb
Bild: Warner Classics

CD-Kritik - Piazzolla/Galliano: "Konzerte für Bandoneon & Akkordeon"

Bewertung:

Von der Musik des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla maßgeblich beeinflusst, ist auch Richard Gallianos Konzert eine Hommage an den Tango.

Um den beiden Komponisten und ihren jeweiligen Klangvorstellungen gerecht zu werden, muss Gwen Cresens auf dieser CD virtuoser Bandoneonspieler und versierter Akkordeonist zugleich sein. Bei beiden Instrumenten ist zwar die sogenannte "freischwingende Durchschlagszunge" für den markanten Klang verantwortlich, im Tonumfang und in der Spieltechnik aber gibt es beträchtliche Unterschiede.

Faltenbalg

Dem belgischen Virtuosen, der am Konservatorium in Antwerpen studiert hat, macht das aber nichts aus, ihm gelingt auf beiden Instrumenten ein hervorragender Vortrag – der beim Akkordeon wie beim Bandoneon gleichermaßen mit dem meisterhaften Beherrschen des Balges einhergeht, vergleichbar mit dem Atem des Sängers.

Klangrausch

Bei Piazzollas 1979 komponiertem Konzert für Bandoneon und Orchester erlebt man in den Gefühlsschluchten des "Tango Nuevo" einen Klangrausch in drei höchst abwechslungsreichen Sätzen.

Auch Richard Gallianos Konzert folgt dem dreiteiligen Aufbau, Kopf- und Schlusssatz sind dabei hörbar dem 1921 geborenen argentinischen Freund und Förderer Piazzolla gewidmet, in der Mitte aber hört man im Konzert des 1950 in Nizza geborenen Galliano die "New Musette" heraus –  jener Stil, den Richard Galliano auf Anraten Piazzollas in den 80er Jahren zu einer eigenen Musikrichtung entwickelt hat, mit Elementen aus traditionellem französischen Musette-Walzer, Jazz und Weltmusik.

Visitenkarte

Als durch und durch kreativer Musiker hat Gwen Cresens zwischen die beiden Konzerte eine selbst zusammengestellte "Suite espagnole" gesetzt. Mit dem ersten Satz "La noche anterior" gibt Cresens hier auch seine Visitenkarte als Komponist ab, gefolgt von sehr gelungenen Bearbeitungen zweier Tänze von Enrique Granados und Isaac Albéniz.

Für den Abschluss des hervorragend gespielten und zusammengestellten Albums hat Gwen Cresens einen der schönsten Tangos von Astor Piazzolla ausgewählt: "Oblivion", auch hier in einer eigenen Bearbeitung, in der noch einmal die melancholische Schönheit der Musik des 1992 in Buenos Aires gestorbenen Komponisten zum Ausdruck kommt.

Hans Ackermann, kulturradio

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