Sarah Kim: Dances; Montage: rbb
Bild: Berliner Orgelpower

Orgelmusik - Sarah Kim: "Dances"

Bewertung:

Die große sinfonische Orgel in der katholischen Kirche St. Matthias am Winterfeldtplatz in Schöneberg ist hier zu hören, ein Instrument, das guten Organisten enorm viele Klangmöglichkeiten bietet – auch und gerade für ein spannendes CD-Debüt, wie das von Sarah Kim.

Sarah Kim wurde als Tochter koreanischer Eltern in Köln geboren, ist dann aber in Australien aufgewachsen. Studiert hat sie in Sydney und vor allem in Paris, einer absoluten Orgelmetropole. Dort lebt Sarah Kim auch, und arbeitet als Organistin u. a. an der anglikanischen Kathedrale.

Ihre Finger- und Fussfertigkeit ist absolut perfekt. Doch das ist natürlich nur die Grundlage, die ergänzt wird von einer großen Musikalität. Dazu kommt aber auch – und das ist ja das entscheidende bei der Orgel – ein enormes Gespür für Klangfarben. Ein Organist, eine Organistin ist ja nicht nur InterpretIn, sondern schafft zum Teil auch das Werk neu: Jede Orgel hat ein völlig individuelles Gemisch an Klangfarben, an Registern. Die Zusammensetzung dieser Klangfarben nennt sich Disposition. Und jede Orgel hat eine andere Disposition. Und so hat ein Organist natürlich auch die Aufgabe, für die Interpretation der Werke möglichst optimale Klangfarben zu finden.

Mehrfacher Gänsehauteffekt!

Das ist in etwa so, als ob der Dirigent eines Sinfonieorchesters selbst entscheiden dürfte, ob eine bestimmte Passage in einer Beethoven Sinfonie nun vom Blech oder von den Holzbläsern gespielt werden darf. Und da auf dieser neuen CD ausschließlich Bearbeitungen von Orchesterwerken für die Orgel zu hören sind, erschafft die Interpretin jedes Mal quasi ein neues Orchester.

Das dramaturgische Konzept der CD ist so einfach wie genial – es sind bis auf eine Ausnahme alles Tänze, im Original für Orchester geschrieben, für Orgel transkribiert von Sarah Kim selbst und von prominenten Organistenkollegen wie Jean Guillou. Sarah Kim findet dafür die absolut passenden Klangfarben, der sprichwörtliche Gänsehauteffekt kommt wirklich mehrfach!

Gespür für Klangfarben

Die sinfonische Orgel von St. Matthias in Berlin-Schöneberg hat 75 Register. Sie ist damit die größte in einem katholischen Kirchenraum der Hauptstadt. Aber ihr Klangvolumen dürfte das der meisten Berliner Orgeln übersteigen. Die Firma Romanus Seifert und Sohn aus Kevelaer hat das Instrument gebaut, vor zehn Jahren wurde es von der Firma Sauer aus Frankfurt/Oder restauriert.

An dieser Orgel hat vor einigen Jahren auch übrigens Cameron Carpenter sein Berlin-Debüt gegeben. Wobei diesen Organisten zwar ein fulminantes Pedalspiel auszeichnet, Sarah Kim allerdings ein weitaus besseres Gespür für Klangfarben hat ...

Sarah Kim: Dances; Montage: rbb
Bild: sarah-kim-organist.com

Berliner Orgelpower

Erschienen ist die Debüt-CD von Sarah Kim beim neu gegründeten Label "Berliner Orgelpower". Dieser Name in seiner etwas unglücklichen deutsch-englischen Mischung ist schon länger eingeführt als Name einer Konzertreihe. In deren Rahmen hat auch Sarah Kin vor zwei Jahren ihr Transkriptionen-Programm vorgestellt und im Zuge dieses Konzerts ist die CD entstanden.

Der Organisator der Reihe Hans Griepentrog möchte in Zukunft die Eindrücke dieser wirklich besonderen Konzerte auf Dauer festhalten. Es sollen also wohl weitere CDs aus Berlin mit Nachwuchskünstlern erscheinen. Das Projekt läuft insofern gut an, als Hans Griepentrog für diese Nummer Eins auch Sponsoren aus der Wirtschaft gefunden hat, u. a. eine Baumarktkette.

Claus Fischer, kulturradio

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