Dmitri Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 6, Montage rbb
Bild: Alpha Classics

CD-Kritik - Dmitri Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 6

Bewertung:

Auf einer neuen CD widmet sich der estnische Dirigent Paavo Järvi der 6. Symphonie von Dmitri Schostakowitsch, allerdings nicht mit einem der großen, etablierten Orchester, sondern mit dem von ihm selbst gegründeten Estonian Festival Orchestra.

Paavo Järvi, einer der produktivsten CD-Dirigenten der Gegenwart (weit über hundert Titel!), präsentiert auf seiner neuen CD ein neues Orchester. Das Estonian Festival Orchestra, 2011 im estnischen Seebad Pärnu gegründet, folgt – nach Auskunft Järvis – dem Vorbild des Budapest Festival Orchestra (dem Iván Fischer sein internationales Renommee verdankt).

Die Ästhetik indes hat Järvi von der Kammerphilharmonie Bremen importiert, wo er gleichfalls Chefdirigent ist und von wo auch der Konzertmeister (Florian Donderer) mitgekommen ist. Das Ergebnis: ein im Gewicht erleichterter, schwerelos auf Federfüßchen einherschwebender Schostakowitsch; was den raschen Sätzen vorzüglich zupass kommt und dem großen Einleitungs-Largo nicht wesentlich schadet. Hier wird ein fast optimistischer, überlebenstalentierter Survivor des sowjetischen Regimes vorgezeigt; nicht das beliebte Klischee des Opfers.

Auch mit drauf: Abram Stasevichs Arrangement des populären 8. Streichquartetts für Streichorchester und Pauken; nicht das einzige seiner Art. (Ein weiteres von Rudolf Barschai wurde sogar noch von Schostakowitsch autorisiert.)

Der pathetische Einsatz der Pauken mag Geschmackssache sein (das Werk gemahnt an Krieg und Faschismus). Auch haben beide Werke (entstanden 1939 und 1960) sehr unterschiedliche Entstehungszusammenhänge.

Aufgrund des außerordentlichen Niveaus des Orchesters und seiner kammerphilharmonisch originellen Ästhetik ist dieses CD-Debüt indes überaus reizvoll und erfreulich. Gern mehr davon.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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