"Christa Ludwig – The Complete Recitals"; Montage: rbb
Bild: Warner Classics

CD-Kritik - Christa Ludwig – The Complete Recitals

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Am 16.03. wird die Berliner Sängerin Christa Ludwig 90 Jahre alt. Aus diesem Grund haben beide großen Firmen, bei denen ihre wichtigen Aufnahmen erschienen sind, große Boxen herausgebracht.  

Zum 90. Geburtstag der in Berlin geborenen Christa Ludwig hat die Warner sämtliche (Lieder-)Recitals wiederaufgelegt, die von 1957 bis 1972 größtenteils für die EMI entstanden. Sogar ein bislang unveröffentlichter Brahms-Liederabend mit Leonard Bernstein am Klavier ist mit dabei (der so etwas nur ganz selten machte). Ebenso die beste Alt-Rhapsodie, die besten Wesendonck-Lieder und das beste "Lied von der Erde", die es überhaupt gibt. Etliches produziert noch von dem legendären Walter Legge.

Das 11 CD-Set unterscheidet sich von der Schnetzel- und Hexel-Politik der parallel erschienenen DG-Box durch die Geschlossenheit der historischen Programme. Und durch die Original-LP-Cover, bei denen wir in die ganze Welt der tief ausgeschnittenen Abendkleider, der Turmfrisuren und des Haarspray-Diktats jener Jahre eintauchen.

Offensive Erotik

Christa Ludwig besaß immer die wohl geschmeidigste, schmeichelnste Schmuse-Stimme von allen – bar aller Rauhigkeit oder Brustigkeit, dafür versehen mit einer durchaus offensiven Erotik. Dieser indes eignete nichts Unschuldiges, nichts Verruchtes. Dafür schien die leicht pausbäckige, hübsche junge Frau zu geerdet, zu praktisch veranlagt. Freilich, wie sie selber einmal gesagt hat, sie "hatte Fleisch in der Stimme, sogar etwas Bauch".

Von der Ästhetik her war sie von ihrer Mutter – einer ehemaligen Sängerin, unter deren 'Fuchtel' sie ein Leben lang stand – darauf verpflichtet worden, alles immer so schön zu singen, als handele es sich um den Kopf des Jochanaan: "... auf einem Silbertablett".

Die beste aller kanonischen Boxen

Großartig die Schubert- und Brahms-Lieder mit Geoffrey Parsons aus den 60er Jahren (sogar sechs nie zuvor veröffentlichte Tracks sind darunter). Epochal die Orchesterlieder von Gustav Mahler (unter Otto Klemperer und Adrian Boult). Doch schon allein wegen der Original-Cover – und wegen des 'Bernstein-Recitals' – ist dies die beste aller kanonischen Boxen dieser schlicht unvergleichlichen Mezzosopranistin.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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