"English Viola Music: Bowen, Dale & Bridge"; © CAvi | Montage: rbb
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Kammermusik - Gernot Adrion & Yuki Inagawa: "English Viola Music"

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Die dunkel-melancholische Klangwelt der Bratsche hat um die Jahrhundertwende in England gleich drei verschiedene Komponisten zu expressiven Sonaten und Fantasien inspiriert.

York Bowen, Benjamin Dale und Frank Bridge wurden um das Jahr 1880 geboren. Am Übergang der Spätromantik in die Moderne sind diese drei Komponisten noch deutlich tonal orientiert, aber auch schon von der Aufbruchsstimmung des neuen Jahrhunderts beeinflusst.

Musikalische Melancholie

Die Bratsche mit ihrem ganz eigenen, herb-rauen Klang ist das ideale Instrument für diese Stimmung, die zwischen gedämpfter Heiterkeit und nachdenklicher Melancholie pendelt.

In York Bowens "Sonate für Viola und Klavier Nr. 1"  von 1905 zeigen die Interpreten im tänzerischen Schlusssatz ihre hervorragenden Qualitäten im Zusammenspiel. Perfekt aufeinander abgestimmt entwickeln Gernot Adrion und Yuki Inagawa im lyrischen Mittelsatz aus einer einfachen Liedmelodie ein intensives musikalisches Gefühlserlebnis.

Gemeinsamer Klang

Die beiden Musiker, die hauptberuflich in Berlin beschäftigt sind - Gernot Adrion als stellvertretender Solobratschist im  Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin - überzeugen mit einem gemeinsamen, ausbalancierten Klang. Leicht, elegant und unaufdringlich werden die Gefühlswelten des Fin de Siècle hörbar, etwa in der  große Fantasie op. 4 von Benjamin Dale.

Bei diesem Stück von 1910 fällt erneut der exzellente Klang der Aufnahme und des Raumes auf -  die CD wurde im Berliner "Funkhaus Nalepastraße" aufgenommen, früher der Sitz des DDR-Rundfunks, heute wird dort in hochwertigen Studios Kammermusik mit hervorragenden Resultaten eingespielt.

Votum

Mit den "Sechs Stücken für Viola und Piano" von Frank Bridge endet das Album. Auch diese zum Teil wunderbar verträumten "Lieder ohne Worte"  sind mit unbestechlicher Klarheit aufgenommen, werden präzise und ohne Übertreibung gespielt, strahlen dennoch eine gewisse Wärme aus.

Gernot Adrion gelingt ein starkes Votum für die Viola als Soloinstrument, unterstützt von der hervorragenden Pianistin Yuki Inagawa - ein kammermusikalisches Duo, das man auch im Konzert erleben möchte!

Hans Ackermann, kulturradio

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