Ferenc Fricsay: The Mozart Radio Broadcasts; Montage: rbb
Bild: Deutsche Grammophon

CD-Kritik - Ferenc Fricsay – The Mozart Radio Broadcasts

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Unter dem Titel "Ferenc Fricsay – The Mozart Radio Broadcasts" ist bei der Deutschen Grammophon eine 4-CD-Box mit Aufnahmen des Deutschen Symphonie-Orchesters erschienen, das zur damaligen Zeit noch RIAS-Symphonieorchester hieß.

Das Erbe des legendären ungarischen Dirigenten Ferenc Fricsay (Gründungs-Chefdirigent des heutigen DSO ebenso wie der Deutschen Oper) lag offenbar doch noch nicht vollständig vor. In dieser 4 CD-Box befinden sind Rundfunk-Produktionen des ehemaligen RIAS, die man von 1951 bis 1954 meistens in der Jesus-Christus-Kirche in Dahlem realisierte (ohne sie danach jemals auf CD zu veröffentlichen).

Man nimmt staunend zur Kenntnis: Schon Anfang der 50er Jahre hatte man mit einem vollständigen Zyklus der Mozart-Symphonien begonnen (gediehen bis Nr. 9). Außerdem finden sich hier Serenaden, Divertimenti, das Fagott-Konzert sowie die Sinfonia concertante für Oboe, Klarinette, Horn und Fagott (mit dem berühmten Heinrich Geuser an der Klarinette), und einiges mehr. Es ist die überraschende Ergänzung des Mozart-Vermächtnisses dieses bereits 1963 verstorbenen Dirigenten.

Mozart als Dramatiker

Der Klang ist schroff, impulshaft und herb. Was daran liegt, dass Fricsay alles Verniedlichende, Leichte und Rokokohafte am damaligen Mozart-Bild ablehnte. Er sah Mozart als Dramatiker, glutvoll und leidenschaftlich in der Gefühlsentäußerung. Dies entspricht sogar der Stoßrichtung heutiger Adepten der historischen Aufführungspraxis. Allerdings kommt Fricsay mit seinem damaligen Instrumentarium, auch wenn er sein RIAS-Symphonieorchester vorzüglich getrimmt hatte, nicht so weit wie wir uns das heute wünschen.

Trotzdem ein Set mit enormem Lokal-Bonus. Wer sich neu bei Fricsay einhören will, sollte das freilich lieber mit den schon vorher greifbaren Mozart-Aufnahmen (z. B. Klavierkonzerten mit Clara Haskil) oder mit den berühmten Smetana-, Bartók- oder Kodaly-Aufnahmen tun, denen ein nach wie vor kanonischer Rang zukommt.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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