Giacomo Meyerbeer: Margherita d'Anjou © Dynamic
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Oper - Giacomo Meyerbeer: "Margherita d'Anjou"

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Giacomo Meyerbeer wird grade in großen Umfang weltweit wiederentdeckt, und natürlich stehen dabei seine großen französischen Opern wie "Die Hugenotten" oder "Der Prophet" im Vordergrund. Aber Meyerbeer hat auch italienische Opern geschrieben, und eine ist jetzt beim Label Dynamic erschienen – Margherita d'Anjou.

Die italienischen Opern stammen aus seiner Zeit vor Paris, und wichtige Meilensteine in Meyerbeers Biographie, denn sie haben den Komponisten berühmt gemacht. Es gibt in seinem Schaffen neben unwichtigeren deutschen Nebenwerken  6 italienische und 6 französische Opern, das italienische Schaffen macht also fast die Hälfte seines Opern-Gesamtwerks aus. Und nicht zufällig hat sich Jacob Meyer-Beer nicht etwa umbenannt hat in Jacques, sondern in Giacomo.

Kongeniale Kooperation zwischen Meyerbeer und Romani

Margherita d’Anjou ist seine vierte italienische Oper, und eigentlich die erste, die wirklich merklich  eigenständige Musik bringt und sich so teilweise vom Vorbild Rossini ablöst. Sie ist 1820 für die Mailänder Scala komponiert worden. Das Besondere an ihr ist, das er hier einen Stoff vertont, der auch komische Szenen enthält – das war nicht grade sein Fachgebiet, und die beiden Opera comiques später für Paris sind nicht sonderlich berühmt für ihre Lustigkeit. Insofern ist dies vielleicht die einzige Oper Meyerbeers mit gelungen komischen Szenen.

Der Titel lässt natürlich aufhorchen. Margarita d'Anjou ist niemand anderes als die berühmte Königin Margot, die in der Bartholomäusnacht eine zentrale Rolle spielt, wie alle Dumas- und Isabella-Adjani-Fans lebhaft bestätigen werden. Sie tritt folgerichtig auch auf in Meyerbeers Hugenotten, in dieser frühen Oper hier aber ist sie Witwe und erlebt sonderbare Abenteuer in Schottland, die zwar nicht verbürgt sind, aber gut erfunden. Es gibt eine interessante Verwicklung, ein Adliger ist verliebt in die Königin, dessen Frau ist nicht amüsiert und verkleidet sich als Mann, um die Entwicklungen im Auge zu behalten.

Insgesamt eine wirklich gut geschriebene Romanze mit Augenzwinkern, fast ein bisschen hollywoodmäßig. Kein Wunder – sie stammt vom berühmten Felice Romani, mit dem Meyerbeer seit Jugendtagen engstens befreundet war; Romani lernte in Berlin bei Meyerbeers Familie deutsch, Meyerbeer von seinem kongenialen Sprach-Tandem-Partner italienisch.

Unbekannt, aber spritzig

Dies ist nicht die erste Einspielung. Es gibt schon eine sehr verdienstvolle Studioaufnahme von Opera rara. Aber diese neue hier lebt vom Schwung einer italienischen Liveaufführung beim Festival in Martina Franca 2017 und ist in vielen Details einfach frecher und lebendiger als die etwas steifere britische Fassung. Zumal wir hier wirklich das Glück haben, dass ein Dirigent wie Fabio Luisi am Pult steht und wir die sehr unpassende Inszenierung nicht sehen müssen, die das ganze fragile Geflecht auf eine poppige Modenschau reduziert.

Wie schon bei der fulminanten Francesca da Rimini von Mercadante 2016 beim Festival hat Fabio Luisi zwar teilweise recht unbekannte, aber durch die Bank zufriedenstellende Sänger für die Produktion um sich geschart.

Giulia di Blasius in der Titelrolle stößt zuweilen an ihre Grenzen, etwa in der Cabaletta der großen Soloarie mit obligater Violine, aber die geforderte Virtuosität würde auch versierteren Künstlerinnen die Tränen in die Augen treiben. Einen weiteren wunderbaren hohen Tenor aus Rußland habe ich hier für mich entdeckt, Anton Rositskiy, der so leicht mit Spitzentönen um sich wirft wie Karnevalisten mit Konfetti. Echte Profis mit viel Spaß am Gesang: Mezzosopran Gaia Petrone als Isaura und Baßbuffo Marco Filippo Romano als Michele. Vielleicht ist dies  nicht Meyerbeers gewichtigstes Werk, aber mit Sicherheit eins seiner kurzweiligsten, und so gesungen wie hier läßt sich das unbekannte, aber spritzige Werk amüsanter an als so manche zähe "Afrikanerin".  

Matthias Käther, kulturradio

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