Heinrich Schütz: "Auferstehungshistorie SWV 50" © Alpha 2017 | Christophorus 2007
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Alte Musik - Heinrich Schütz: "Auferstehungshistorie SWV 50"

Die Auferstehungshistorie von Heinrich Schütz in zwei Aufnahmen französischer Ensembles

Im Jahre 1623 führte der Dresdner Hofkapellmeister Heinrich Schütz zum ersten Mal seine "Historia der Auferstehung Jesu Christi" auf. Das ist eine ebenso eindrucksvolle wie schlichte Vertonung des österlichen Bibeltextes in deutscher Sprache nach den Kriterien des damals so modernen italienischen Stils.

Die instrumentale Begleitung beschränkt sich auf den Basso continuo, der nach Schütz‘ Vorstellungen mit einfacher Orgel oder aber mit einem akkordspielenden Gambenchor besetzt werden kann. Keine Frage – hier steht das Bibelwort, vorgetragen durch den Evangelisten und die handelnden Personen, im Mittelpunkt. Rechtzeitig zum diesjährigen Osterfest sind gleich zwei CDs mit dieser Komposition erschienen, eingespielt jeweils von französischen Ensembles.

La Chapelle Rhénane

Bei der ersten Aufnahme handelt es sich um die Wiederauflage einer CD von La Chapelle Rhénane aus dem Jahre 2007. Der Ensembleleiter Benoît Haller übernahm dabei persönlich die Partie des Evangelisten und prägt mit seinem ruhigen, gut verständlichen und unaufdringlichen Gesang die gesamte Einspielung. Warm und intonationsrein begleitet der Gambenchor, besetzt mit Könnern des Fachs wie Rebeka Rúso, Jakob-David Rattinger und François Joubert-Caillet.

La Chapelle Rhénane musiziert Schütz bestens geschult an barocker Rhetorik, mit großer Farbigkeit, aber ohne unnötige Effekte. Auch nach 10 Jahren ist diese Interpretation der Auferstehungshistorie sehr hörenswert, genauso wie die ebenfalls auf der CD enthaltenen "Musicalischen Exequien" von Schütz.

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La Tempête

Ein gänzlich neues Konzept dagegen hat sich Simon-Pierre Bestion mti seinem Ensemble La Tempête für die Aufnahme der "Historia" von Schütz einfallen lassen. Zunächst unterbricht er den biblischen Bericht neunmal und fügt jeweils Motetten aus der Sammlung "Israelis Brünnlein" von Johann Hermann Schein ein. Auch wenn sich nicht immer ein enger textlich-inhaltlicher Zusammenhang erschließt, so kann man dieses Konzept zumindest diskutieren, schließlich ist auch Scheins Motettensammlung 1623 erschienen, die beiden Komponisten waren eng befreundet und teilten die Begeisterung für den italienischen Stil. Als höchst problematisch aber erweist sich die Entscheidung Simon-Pierre Bestions, die Evangelistenpartie mit dem libanesischen Sänger Georges Abdallah zu besetzen, der den deutschen Text nach byzantinischer Vokaltradition vorträgt.

Bei allem Respekt: Hiermit wird die Intention von Heinrich Schütz nach der klaren Deklamation des Bibelworts konterkariert und verballhornt. Dieser manirierte und durch die arg hallige Akustik noch mit einer Art Heiligenschein versehene Gesang irritiert umso mehr, da die handelnden Personen (Jesus, Maria Magdalena etc.) "normal" nach europäischer Tradition singen. Auch die zahlreichen instrumentalen Eingriffe, die Bestion in die von Schütz bewusst schlicht gehaltene Partitur vorgenommen hat, sind nicht notwendig.

Gut, dass La Chapelle Rhénane seine Aufnahme von 2007 wieder auf den Markt gebracht hat!

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Bernhard Schrammek, kulturradio

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