"Korngold: Musik für Streichorchester"; Montage: rbb
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Kammermusik - Erich Wolfgang Korngold: Musik für Streichorchester

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1934 musste Erich Wolfgang Korngold vor den Nationalsozialisten ins Exil flüchten. In Hollywood hat er erfolgreich für den Film komponiert, aber auch große Werke für den Konzertsaal geschaffen.

Im Januar 1950 wurde die "Symphonische Serenade für Streichorchester op. 39" uraufgeführt. Ein modernes Werk, in dem sich schon nach einer guten Minute die allzu schöne Serenaden-Stimmung verliert. So wie das liebliche Stück zunehmend dramatischer wird, steigt nun auch die harmonische Komplexität – ein hartes Stück Arbeit für Dirigent und Orchester. Jeder einzelne Streicher muss beinahe wie ein Solist agieren, muss im atemberaubenden Tempo Doppel- und teilweise Dreifach-Griffe spielen, während der Dirigent im aufregenden harmonisch-rhythmischen Dschungel den Überblick nicht verlieren darf.

Nachtmusik

Äußerst virtuos wechselt Korngold im ersten Satz der Serenade die Tonarten, moduliert als einer der versiertesten Komponisten des 20. Jahrhunderts mit all seiner an Mahlers Sinfonien und Schönbergs Kammermusik geschulten Erfahrung durch den Quintenzirkel.

Der zweite Satz "Intermezzo" wartet dann mit einer besonderen spieltechnischen Herausforderungen auf: "Mit maximalem Tempo" soll hier gespielt werden und zwar durchgängig "pizzicato", gezupft also – was über Minuten allerhöchste rhythmische Präzision im Zusammenspiel erfordert.

Wenn sich im dritten Satz "Lento religioso" dann ein Choral zunehmend modern verfärbt, wird in bewegenden langen Klängen die enorme emotionale Tiefe dieses Komponisten hörbar.

Taghell

Diese neue Aufnahme präsentiert eine klanglich hervorragende Leistung des aus rund 25 Streichern bestehenden Orchesters. Es hat seinen Sitz im Nationalen Forum der Musik (NFM) in Wrocław und ist nach der Aula "Leopoldina" der dortigen Universität benannt – was zum recht sperrigen Namen "NFM Leopoldinum Orchestra" führt.

Unter der Leitung des renommierten Berliner Bratschers und Hochschulprofessors Hartmut Rohde hat das Ensemble seinen Schwerpunkt in der Musik des 20. Jahrhunderts in den letzten Jahren erfolgreich weiter vertieft, präsentiert nach Musik von Krenek oder Berg nun auch Werke von Erich Wolfgang Korngold. Dessen frühes Streichsextett op. 10 ist als zweites grosses Werk auf dieser CD enthalten, in einer Bearbeitung, die Rohde eigens für sein Orchester angefertigt hat. Beeindruckend, wie Korngold auch im 1917 uraufgeführten Sextett das harmonische Denken der Spätromantik und Moderne mit kontrapunktischer Spielfreude verbindet.

Bei allen spiel- und satztechnischen Herausforderungen schafft es der Dirigent mit seinen hervorragenden Musikern, die höchst komplexen Strukturen beider Werke in unangestrengter Leichtigkeit hörbar werden zu lassen.

Hans Ackermann, kulturradio

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