Niels Wilhelm Gade: Comala; Montage: rbb
Bild: Dacapo

Chormusik - Niels Wilhelm Gade: "Comala"

Bewertung:

"Comala" heißt das dramatische Gedicht von Niels Wilhelm Gade, das mit dem Dänischen Nationalchor und dem Dänischen National-Symphonie-Orchester unter der Leitung von Laurence Equilbey und zusammen mit vier Solisten auf CD herausgegeben wurde.

Der dänische Komponist Niels Wilhelm Gade hat für seine Ouvertüre "Nachklänge von Ossian" ein Stipendium des Königlichen Konservatoriums in Kopenhagen erhalten, das ihn in die Musikstadt Leipzig führte. Dort wurde er von Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy gefördert. Später wurde Gade sogar Leiter einiger Gewandhauskonzerte, zunächst im Wechsel mit Mendelssohn, nach dessen Tod wurde er dessen Nachfolger.

"Comala" ist das zweite Werk, das Niels Wilhelm Gade in Leipzig komponiert hat. Da Deutschland damals von den Werken Richard Wagners fasziniert war, wollte Gade auch etwas Heldenhaftes mit Gesang schreiben, nahm sich aber "Das Paradies und die Peri" von Robert Schumann zum Vorbild. Nach der Uraufführung ist das Werk von Publikum und Presse sehr unterschiedlich aufgenommen worden. Das Publikum in Leipzig war so begeistert, dass Gade drei Tage später bei einem Abonnementskonzert eine 2. Aufführung bekam.

Der Gewandhauskapellmeister Mendelssohn seinerseits bezeichnete das Werk zwar als "wohltönend" und gestand ihm "schöne Züge" zu, sagte aber, dass es die Begeisterung allein nicht mache, denn er fand, das Werk zeuge von einer "gewissen Unreife". Schumann meinte hingegen, die Leipziger Presse hätte das Werk nicht ausreichend zu schätzen gewusst, denn es sei das "bedeutendste Werk der Neuzeit", das wieder einmal einen Lorbeerkranz verdiene. Schumann hat das Werk auch mehrfach dirigiert.

Die Dänen mussten allerdings noch zwei Jahre warten, bis das Werk in Kopenhagen zur Aufführung kam.

Dürre Handlung, farbige Musik

Das Heldengedicht "Comala" besitzt eigentlich eine etwas dünne Handlung. Comala ist die Freundin von Fingal, der in einen großen Kampf zieht. Sie fürchtet, dass er nicht zurückkehren wird. Ihre Jungfrauen versuchen sie zu trösten und zu beruhigen, aber als Fingal schließlich heimkehrt, findet er sie nur als Tote vor.

Das Werk lebt von den Männer- und Frauenchören, die schließlich am Schluss vereint als gemischter Chor zu hören sind. Und es lebt von den Partien der Solisten, die dem Werk seinen dramatischen Grundcharakter verleihen. Mir gefällt die Sopranistin, die die Hauptfigur singt, besonders gut. Sie gestaltet ihre Rolle mit viel Dramatik und einer wohlklingenden Stimme, so dass man als Zuhörer an ihren inneren Kämpfen teilhaben kann.

Der Männerchor, der den Chor der Krieger darstellt, klingt seiner Rolle entsprechend entschlossen und temperamentvoll, wenn auch nicht ganz einheitlich und homogen. Die Frauen, die den Chor der Jungfrauen verkörpern, singen lieblich, aber auch nicht homogen. Auch singt der Chor mit viel Vibrato, was nicht meinem Geschmack entspricht, sich aber stimmig in den Gesamtgestus des Werkes und dieser Interpretation einfügt.

Obwohl das Werk inhaltlich nicht erschöpfend ist, ist es musikalisch sehr farbig, was die Interpreten auch deutlich machen.

Astrid Belschner, kulturradio

Weitere Rezensionen

Requiem - The Pity of War; Montage: rbb
Warner Classics

Lieder - "Requiem - The Pity of War"

Zum 100. Jahrestag des Kriegsendes im November 1918 gedenkt das Album auch zwei weitgehend unbekannten Komponisten. Beide sind im Ersten Weltkrieg umgekommen.

Bewertung:
Calmus Ensemble: Folk Songs; Montage: rbb
Carus

Lieder - Calmus Ensemble: "Folk Songs"

Musikalische Weltreise: Die CD enthält 21 Lieder aus 17 Ländern. So singt das Calmus Ensemble in 14 Sprachen – über die Liebe, das Trinken, Land und Leute, Moral und Handwerk.

Bewertung: