"Kirill Gerstein: The Gershwin Moment"; Montage: rbb
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Klavier und Jazz-Band - Kirill Gerstein: "The Gershwin Moment"

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Die Musik von George Gershwin "nicht zu klassisch, nicht zu jazzig" spielen - der Pianist Kirill Gerstein findet auf seiner neuen CD die richtige Balance zwischen E und U.

In den USA der 1920er Jahre wurde George Gershwin attackiert und angefeindet, weil er sich in seinen Werken hörbar auf afroamerikanischen Blues und Jazz bezogen hat. Von "kruden Machwerken" war die Rede, gemeint war damit etwa die Oper "Porgy and Bess". Das bekannteste Stück aus dieser Oper, das Wiegenlied "Summertime", ist auf dem Album enthalten, gesungen von Storm Large, deren Interpretation zwischen Arie und Jazzsong einen ganz eigenen Weg geht.

Konzertsaal oder Jazzclub

Gershwin zwischen Jazz und Klassik, zwischen Ernst und Unterhaltung ist das Thema dieses Konzeptalbums. Die "Rhapsody in Blue" wie auch das Klavierkonzert "Concerto in F" werden hier in ungewohnter Weise präsentiert: die "Rhapsody" in der Fassung für Jazz-Bigband - die der berühmte Broadway-Arrangeur Ferde Grofé noch zu Lebzeiten Gershwins angefertigt hat - das Klavierkonzert wird dagegen vom Orchester aus der gewohnten Partitur gespielt. Der Solist Kirill Gerstein allerdings erlaubt sich viele stilistische Freiheiten.

Freiheit

Dieser Freiheitsdrang ist dann auch das Hauptmotiv des in Russland ganz traditionell und klassisch geschulten Pianisten, der nach grossen Erfolgen mit Brahms, Tschaikowsky und Liszt noch ein Studium am "Berklee College of Music" aufgenommen und später selbst an der  bekanntesten Jazz-Ausbildungsstätte der USA unterrichtet  hat.

Dort in Berklee wurde auch das schönste Stück des Albums aufgenommen, "Blame it on my youth". Kirill Gerstein ist dabei im Duo mit dem legendären Jazz-Vibraphonisten Gary Burton zu hören. Zwei Musiker in einem intensiven Dialog, der die Frage "Ist das nun Klassik oder Jazz?" im Prinzip überflüssig werden lässt - es ist einfach Musik!

Hans Ackermann, kulturradio

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