Hjalmar Borgström und Dmitri Schostakowitsch: Violinkonzerte mit Eldbjörg Hemsing; Montage: rbb
Bild: BIS Records

Orchester - Hjalmar Borgström und Dmitri Schostakowitsch: Violinkonzerte

Bewertung:

Auf ihrer Debüt-CD spielt die norwegische Geigerin Eldbjörg Hemsing Violinkonzerte von Hjalmar Borgström und Dmitri Schostakowitsch.

Nur einige Paukenschläge lang muss die Solistin auf ihren ersten Einsatz warten, dann kann sich Eldbjörg Hemsing mit einer aufsteigenden Melodie zum ersten Mal elegant in die Höhe schwingen und in einer kleinen Kaskade von Doppelgriffen eine erste Kostprobe ihres Könnens liefern – der Auftakt zu einer aufregenden musikalischen Reise durch das Land der Fjorde.

Unterschied

Der Komponist Hjalmar Borgström, geboren 1864 und zu seiner Zeit vor allem Kritiker und Musikjournalist, könnte sich diesen Anfang bei Beethoven geliehen haben. Denn auch dessen Violinkonzert beginnt mit markanten Paukentönen. Der größte Unterschied zwischen den beiden Konzerten: Beethoven hat das berühmteste, Borgström das vielleicht am wenigsten bekannte Violinkonzert geschrieben.

Horizont

Dabei ist auch dieses Werk vom ersten bis zum letzten Ton so schön wie ein Sonnenuntergang am Fjord. Der in Oslo geborene Komponist war zweifellos von den mächtigen Bergen und den dunkelblauen Seen seiner Heimat inspiriert, hat um das Jahr 1900 sicher verschneite norwegische Wälder durchstreift, bevor er dann – wie Edvard Grieg – durch ein "Auslandsstudium" in Leipzig seinen spätromantischen Klanghorizont um Einblicke in die Klangwelt der Moderne erweitert hat.

Eldbjörg Hemsing im Haus des Rundfunks; © Hans Ackermann
Bild: Hans Ackermann

Vergleich

Anders als bei der konkurrenzlosen Interpretation des unbekannten norwegischen Komponisten, muss die Geigerin bei diesem, David Oistrach gewidmeten Werk mit Interpretations-Vergleichen rechnen – die Eldbjörg Hemsing aber allesamt nicht zu scheuen braucht!

Ihre Passacaglia, in der die Geige im dritten und stärksten Satz des Schostakowitsch-Konzertes nach tiefen Blechbläsern-Chorälen die erschütternde Totenklage anstimmt, führt beim Hören zu tiefer Ergriffenheit, die sich erst im fulminanten Finalsatz wieder löst.

Fazit

Kann man mit 28 Jahren dieses große Violinkonzert schon mit solcher Reife spielen – Eldbjörg Hemsing kann es!

Hans Ackermann, kulturradio

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