Venetian Extravaganza; Montage: rbb
Bild: Linn

Alte Musik - "Venetian Extravaganza"

Bewertung:

"Gabrieli for Brass" – mit Reinhold Friedrich und Studenten aus London und New York

Zwei der renommiertesten Musikhochschulen der Welt – die Royal Academy of Music in London und Juilliard School New York – finden sich regelmäßig zu musikalischen Projekten zusammen. Im jüngsten Falle waren es die Blechbläser beider Konservatorien, die unter Leitung des Trompeters Reinhold Friedrich Werke von Giovanni Gabrieli und Zeitgenossen einstudiert haben.

Modernes Instrumentarium

Hinsichtlich der musikalischen Qualität machen die Studenten ihren Konservatorien alle Ehre. Hier spielen hervorragend ausgebildete junge Musiker, die sich mit großem Engagement auf die Werke von Gabrieli einlassen. Die Intonation ist rein, die rhythmischen Strukturen perfekt, Phrasierungen und Schattierungen sind genau einstudiert.

Allerdings spielen sie auf modernen Instrumenten und nicht auf den historischen Zinken und eng mensurierten Posaunen. Der Klanglichkeit von Gabrielis Musik geht damit das Entscheidende verloren: Es fehlen die schillernden Farben des ausgehenden 16. Jahrhunderts (der rauchige Zink, die kernige Posaune etc.). Alles klingt dafür geglättet, virtuos und perfekt.

Gefahr der Beliebigkeit

Darüber hinaus stellt sich generell die Frage nach dem Sinn einer CD mit knapp 20 Bläsercanzonen und -sonaten in ähnlichem Stil. Diese Werke am Stück zu hören, führt recht schnell zu einer gewissen Beliebigkeit. Gedacht waren die Instrumentalwerke ja auch nicht zum reihenweisen konzertanten Vortrag, sondern als repräsentative Zwischenmusik für kirchliche und staatliche Ereignisse in Venedig. Zumindest die Kopplung mit Vokalwerken hätte in diesem Projekt zu weit größerer Abwechslung geführt.

Fazit: Wer den Sound moderner Blechbläser mag, wird von dieser CD nicht enttäuscht sein, denn die exakte Interpretation ist mit hervorragender Aufnahmetechnik gekoppelt. Wer aber Wert auf historische Aufführungspraxis legt, wird schnell die Farbigkeit des originalen Instrumentariums vermissen und sollte hier nicht zugreifen.

Bernhard Schrammek, kulturradio

Weitere Rezensionen

Wunderkammer © Coviello
Coviello

Alte Musik - "Wunderkammer"

Eine Berliner Wunderkammer: Feinste Barockmusik für Viola da gamba, Violoncello und Cembalo

Bewertung:
Baroque Twitter; Montage: rbb
deutsche harmonia mundi

Alte Musik - "Baroque Twitter"

Das ist ein Album für Genießer: Nuria Rial und Maurice Steger schwelgen gemeinsam in Arien aus Barockopern

Bewertung: