Johannes Brahms: Sämtliche Lieder, Vol. 7; Montage: rbb
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Lieder - Johannes Brahms: Sämtliche Lieder, Vol. 7

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Benjamin Appl muss sich in der Brahms-Liedergesamtaufnahme neben großen Namen behaupten. Schafft er das?

Im Rahmen der großangelegten Gesamtaufnahme aller Brahms-Lieder, initiiert und am Klavier begleitet von Graham Johnson, hat der deutsche Bariton Benjamin Appl (35) einige der schönsten Lieder abbekommen.

Zum Prinzip der sukzessive erscheinenden Ausgabe gehört es, die Opus-Gruppen aufzutrennen, so dass jeder Sänger das singen kann, was ihm wirklich liegt. Dafür muss sich Appl hier allerdings gegen Vorgänger wie Ian Bostridge, Christine Schäfer und Christopher Maltman behaupten.

Schlimmes Imitat

Der eher schmal, fast jungenhaft klingende Appl bietet einen hell timbrierten Bariton von beinahe tenoralem Impetus. Die Textverständlichkeit ist gut. Leichte Vokalverfärbungen machen aus manchem "a" fast ein "o" ("Und hab' ich den Tog mit Ondocht begonnen ..."). Aus "gegangen" wird "gegangön". Das würde man gerne hinnehmen, würde der Sänger nur mehr aus dem Text machen.

Bei Appl bleibt alles gemessen, neutral. Man hat den Eindruck: Er kann mit den Texten nicht übermäßig viel anfangen – und will sie nicht extra belasten. Schlimm wird es, wenn Appl, indem er die Stimme abdunkelt und aufbläht, seinen Lehrer Dietrich Fischer-Dieskau zu imitieren versucht (wie in "O liebliche Wangen" op. 47, Nr. 4).

Leider gelten die Vorbehalte, die man gegen diese CD haben kann, für den ganzen Zyklus, welcher mit der epochalen Schubert-Gesamtedition Graham Johnsons (vor Jahrzehnten) bei weitem nicht mithalten kann.

Diese Abschwungbewegung liegt gewiss nicht an der Qualität der – nach wie vor sehr prominenten – Sänger. Sondern daran, dass die Gegenwart den lyrischen Vorlagen offenbar fremder gegenüber steht denn je.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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