Joseph Haydn: Piano Trios © harmonia mundi
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CD-Kritik - Joseph Haydn: Piano Trios

Bewertung:
Das französische Trio Wanderer hat erneut eine Auswahl aus Joseph Haydns 45 Klaviertrios aufgenommen.

Die Stücke stammen aus dem Zeitraum von 1789 bis 1795, und ein bisschen zeichnen sie die Entwicklung von der "Sonate für Klavier mit Begleitung von Violine und Violoncello", als die sie veröffentlich wurden, bis zum Ansatz des modernen Klaviertrios mit individualisierten Partien nach – immerhin löst sich die Violine langsam von der Klavierstimme, das Cello indes klebt fast immer am Klavierbass.

Wegphrasiert und eingepasst

Also darf sich auf dieser CD vor allem der Pianist des Trios, Vincent Coq, profilieren: Mit leichten Fingern, aber angenehm gedecktem Ton hält er klanglich die Mitte zwischen moderner Konzertflügel-Brillanz und historischem Hammerflügel. Die Interpretationen sind unspektakulär stimmig – aber darin liegt auch ein gewisses Problem.

Das Ensemble verlässt sich auf seinen Klang und seine souveräne Musikalität und verpasst dabei doch eine Menge bzw. bringt es nicht an die Oberfläche. So schnurrt es über kostbare Details hinweg wie etwa die Proto-Romantik des As-Dur-Trios: Was hat Haydn da gewagt an entlegenen Harmonien, an sperriger Melodik und schließlich ihrer Auflösung im Mittelteil des Adagios!

Derlei wird vom Trio Wanderer buchstäblich wegphrasiert und eingepasst ins klassische Schema – und das bei einem Ensemble, das sich nach der romantischen Zentralfigur des Wanderers benannt hat!

Zu naiv

So folgen die Trios doch eher unverbindlich aufeinander, weniger auf ihre Besonderheiten abgeklopft als stilsicher abgehakt. Auch wenn die Stücke in zunehmend exzentrischen Tonarten wie fis-Moll oder es-Moll stehen, spielt das Trio Wanderer sie als Wiener klassischen Normalfall, und erst, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Haydn den zweiten Satz des es-Moll Trios "Jacob’s Dream" nennen wollte, wird einem die komplexe Poetik dieser Musik klar: Treppenfiguren und auf und ab laufende Tonleitern symbolisieren da die Engel, die auf der Himmelsleiter auf und nieder steigen. Angesichts solcher inhaltlicher Aufladungen wirkt da Spiel des Trio Wanderer doch allzu naiv.

Peter Uehling, kulturradio

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