Lili Boulanger: Hymne au Soleil © Carus
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Chormusik - Lili Boulanger: "Hymne au Soleil"

Bewertung:

Das Orpheus Vokalensemble hat unter der Leitung von Michael Alber und zusammen mit dem Pianisten Antonii Baryshevskyi eine CD mit Liedern von Lili Boulanger herausgegeben.

Lili Boulanger wurde am 21. August 1893 in Paris als Marie-Juliette Olga Boulanger geboren. Sie stammte aus einem Musikerhaushalt. Aber sie war eine kranke Frau, die keine 25 Jahre alt geworden ist, denn sie ist schon als Kind an Tuberkulose erkrankt. So bekam sie mehr Musikunterricht als üblich, weil die Familie daran interessiert war, dass es ihr seelisch gut ging.

Eine begabte Komponistin

Sie war sechs Jahre jünger als ihre wesentlich berühmtere Schwester Nadja, die auch Musikerin und Komponistin war und sich immer für das Werk ihrer Schwester eingesetzt hat - und die auch immer betont hat, dass Lili die begabtere von ihnen beiden gewesen sei.

Der Hauptlehrer von Lili Boulanger war Gabriel Fauré. Durch ihn traf sie auf Charles Koechlin und Maurice Ravel. Mit 19 Jahren hat sie als erste Frau den renommierten Rompreis bekommen, der sie mit einem Schlag berühmt gemacht hat und in eine Reihe mit Berlioz, Gounod, Bizet und Debussy stellt.

Leider konnte sie wegen des Ersten Weltkrieges und aufgrund ihres Gesundheitszustandes den Preis nicht voll in Anspruch nehmen, zu dem ein vierjähriges Stipendium in der Villa Medici in Rom gehörte. Sie musste früher abreisen, hat von nun an fast nur noch im Bett komponieren können und lebte wegen ihrer schwachen Abwehrkräfte weitgehend isoliert.

Lili Boulanger hat Musik fast aller Genres komponiert – ihre Chormusik erinnert an die Bilder von Claude Monet.

Ein Klanggenuss

Das Orpheus Vokalensemble, der professionelle Kammerchor der Landesmusikakademie Baden-Württemberg, wird der Stimmung dieser Lieder gerecht. Er singt homogenen, inspiriert und präzise, denn alles ist bis ins kleinste Detail studiert. Die jungen Sängerinnen und Sänger können sowohl feine Transparenz und schwebende Glockentöne produzieren, als auch Fülle und dramatische Wucht.

Hervorzuheben sind dabei auch die Chor-Soli, denn in diesem Chor verfügt ja jeder Sänger über eine ausgebildete Stimme und ist somit den Soloeinlagen gewachsen. Die Solisten überzeugen und bringen auch die passenden Klangfarben mit.

Zu loben ist weiterhin der ukrainische Pianist Antonii Baryshevskyi, der den Chor mit seinem farbenreichen Klavierspiel unterstützt.

Mehr als perfekter Gesang

Beim Hören umhüllen einen die Lieder - man kann sich nicht entziehen. Es ist mehr, als der frische und natürliche Klang, mehr als die die Akzentuierung, Phrasierung und Diktion, die auf den Punkt stimmen. Es ist die Emphase, mit der alle Beteiligten diese Lieder anfassen und interpretieren!

So zeigt diese überzeugende CD, wie sehr es sich lohnt, die Werke von Lili Boulanger aufzuführen!

Astrid Belschner, kulturradio

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