Motherland © Warner Classics
Bild: Warner Classics

CD-Kritik - "Motherland"

Bewertung:

Auf seiner neuen CD spielt der amerikanische Bratscher David Aaron Carpenter Konzerte für Viola und Orchester von Béla Bartók, William Walton und Antonin Dvorak. Der Titel der Doppel-CD lautet "Motherland". Was ist damit gemeint?

Der amerikanische Bratschist David Aaron Carpenter (32) gehört zu den renommiertesten Solisten seiner Zunft. Auf seiner neuen Doppel-CD (Warner) kombiniert er Bartóks posthumes und William Waltons überarbeitetes Viola-Konzert (beide vorzüglich dirigiert von Vladimir Jurowski) mit einer eher entbehrlich klingenden Bearbeitung des berühmten Cello-Konzertes von Dvorak und drei vollständig überflüssigen Weltersteinspielungen des ukrainischen, in die USA emigrierten Alexey Shor (48).

Letztere nehmen leider insgesamt mehr als 45 Minuten Spieldauer für sich in Anspruch. Das Thema "Motherland" will Komponisten in den Fokus rücken, die sich – nachdem sie ihr Heimatland verlassen hatten – in Reminiszenzen, wenn nicht in musikalischem Fernweh ergingen. Da unzählige Komponisten dies taten, ist das Thema viel zu groß gewählt, die Auswahl beliebig.

Halb misslungen

Carpenter verfügt über einen durchaus brillanten, eher ‚kunstlichthaften’, also weniger auf Naturnachahmung setzenden Bratschen-Ton von schöner Direktheit. Leider erzählt dieser Ton zu wenig. Alles ist sehr ausgeglichen, auf Schönheit berechnet und eher abstrakt – außer wenn der Solist von Jurowski (der aber nur zwei der sechs Werke dirigiert) wohltuend ins Extrem getrieben wird.

Mir kommt das meistens zu schulgerecht, zu methodisch trocken und zu neutral vor; ein Übel, das in der verschulten Gegenwart leider mehr Solisten zu attestieren wäre. Shors Werke, darunter ein dreiviertelstündiger Volksweisen-Zyklus, gefällt sich in einem hoffnungsfrohen Folklorisieren, erschüttert aber dabei höchstens durch Simplizität und musikalische Einfalt. So ist das Ganze eher: halb misslungen. Wären nicht die beiden, von Jurowski geadelten Bratschenkonzerte von Bartok und Walton, es gäbe kaum einen Grund hinzuhören.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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