Through the lens of Time; Montage: rbb
Bild: Orchid Records

Orchester - "Through the lens of Time"

Bewertung:

Der spanische Geiger Francisco Fullana stellt auf seiner CD Vivaldis "Vier Jahreszeiten" in den Mittelpunkt – allerdings als Werk des 21. Jahrhunderts.

Max Richters "Four Seasons  Recomposed" ist das ideale Werk für Fullanas Zeitreise. Das musikalische Ausgangsmaterial dieser vier Violinkonzerte entstammt unverkennbar dem barocken Zeitalter, die hinzugefügte elektronische Klangwelt aber ist nur im 21. Jahrhundert denkbar.

Der 1990 in Palma de Mallorca geborene Francisco Fullana wurde an der Julliard School ausgebildet und hat 2016 in der New Yorker Carnegie Hall sein Debüt gegeben – ein exzellenter Geiger, der sich auch intellektuell in sein Repertoire vertieft und im Beiheft lesenswerte Anmerkungen zur Musik mitliefert.

Spannend und kontrastreich

Fullanas tiefes musikalisches Verständnis wird auch im Programmkonzept des Albums deutlich: zwischen jede Jahreszeit – Frühling, Sommer, Herbst und Winter – in Richters charmanter Vivaldi-Anverwandlung, hat Francisco Fullana je ein schwergewichtiges Werk eines zeitgenössischen Komponisten gesetzt: Isang Yuns "Königliches Thema für Solovioline", Alfred Schnittkes "Suite im alten Stil" und Salvator Brotons "Variationen über ein Barockthema für Solovioline".

In dieser spannenden und kontrastreichen Anordnung werden die unterschiedlichen Wege der Komponisten bei ihrer jeweiligen Auseinandersetzung mit dem Barock deutlich: Isang Yun etwa verwandelt das Thema aus Johann Sebastian Bachs sechsstimmigem Ricercar aus dem "Musikalischen Opfer" in ein avantgardistisches Geigensolo, während Alfred Schnittke in seiner Suite alle Register des modernen polyphonen Komponierens zieht.

Mit diesem abwechslungsreichen Programm erreicht Francisco Fullana sein Ziel, durch ein "Brennglas der Zeit" in die musikalische Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen zu blicken.

Hans Ackermann, kulturradio

Weitere Rezensionen

Albert Roussel Edition
Erato (Warner)

Box-Set - Albert Roussel Edition

Zum 150. Geburtstag des französischen Komponisten Albert Roussel hat die Firma Warner alles neu verpackt und neu verklappt, was sie im EMI-Katalog zu diesem Komponisten vorgefunden hat. Das ist in der Tat – mit Dirigenten wie Charles Munch, André Cluytens, Charles Dutoit und Michel Plasson – weit prominenter als dies jede andere Firma aufzubieten hätte.

 

Bewertung:
Schostakowitsch: Under Stalin’s Shadow – Sinfonien Nr. 6 & 7
Deutsche Grammophon

Orchester - Dmitri Schostakowitsch: Symphonien Nr. 6 + 7

Bei seinem Schostakowtisch-Zyklus bei der DG ist der Dirigent Andris Nelsons, zugleich seit fünf Jahren Chef des hier tätigen Boston Symphony Orchestra, beim vierten Teil angekommen – enthaltend zwei populäre Symphonien (die Nr. 6 und Nr. 7 "Leningrader") sowie die recht seltene Orchester-Suite aus der Filmmusik zu "King Lear".

Bewertung: