Vidi-speciosam © deutsche harmonia mundi
Bild: deutsche harmonia mundi

Alte Musik - 'Vidi speciosam'

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Edelste Musik aus der spanischen Renaissance: Capella de la Torre und das Tiburtina Ensemble mit Werken von Victoria

"Spanischer Palestrina" wird Tomás Luis de Victoria häufig genannt, da der aus Avila stammende Komponist in den 1570er und 80er Jahren in Rom wirkte und dort engen Kontakt zu Giovanni Pierluigi da Palestrina hielt. 1587 kehrte Victoria in seine spanische Heimat zurück und wirkte bis zu seinem Tod als Kapellmeister an einem Frauenkloster in Madrid.

Musik hinter Klostermauern

Wie mag die Aufführung seiner komplexen polyphonen Musik hinter den Klostermauern geklungen haben? Dieser Frage ist das Ensemble Capella de la Torre gemeinsam mit dem tschechischen Tiburtina Ensemble nachgegangen. Entstanden ist eine Aufnahme mit verschiedenen Werken von Victoria in ungewöhnlicher Besetzung: Die höheren Stimmen sind vokal, die tieferen instrumental besetzt. Diese Praxis ist für das 16. Jahrhundert an verschiedener Stelle belegt und vermag auch auf dieser CD zu überzeugen.

Capella de La Torre © Andreas Greiner-Napp
Bild: Andreas Greiner-Napp

Fiktiver Gottesdienstablauf

Hauptwerk der CD ist die klangprächtige, sechsstimmige Missa Vidi speciosam von Tomás Luis de Victoria. Hinzu kommen – als Rekonstruktion eines fiktiven Gottesdienstablaufes – einige Motetten des spanischen Komponisten sowie gregorianische Gesänge. Die hohen Qualitäten der beiden beteiligten Ensembles zahlen sich hier aus. In den polyphonen Werken verschmelzen Vokal- und Instrumentalstimmen in beglückender Weise zu einer wunderbaren Einheit.

Im Vergleich zur gewöhnlichen, rein vokalen Darbietung dieser Kompositionen ist die Beteiligung des farbigen Instrumentariums mit Schalmei, Pommer, Posaunen und Dulzian ein echter Gewinn, zumal wenn diese historischen Instrumente mit so viel Gefühl und Intelligenz gespielt werden. Der reine, in jeglicher Form ungekünstelte Gesang des komplett weiblich besetzten Tiburtina Ensembles ist ein großes Erlebnis und veredelt auch die eingefügten gregorianischen Gesänge.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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