Béla Bartók: Violinkonzerte Nr. 1 & 2 © Ondine
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CD-Kritik - Béla Bartók: "Violinkonzerte Nr. 1 & 2"

Bewertung:

Auf seiner neuen CD spielt der deutsche Geiger Christian Tetzlaff die beiden Violinkonzerte von Béla Bartók. Nicht unbedingt Schmuse-Repertoire. Ist die Aufnahme dazu angetan, dass diese Werke neue Lieblingsstücke des Repertoires werden?

Die beiden Violinkonzerte von Béla Bartók, von Geigern früherer Generationen gemieden, gehören inzwischen zu den Lieblingskindern heutiger Star-Violinisten; zumindest sofern sie etwas querköpfiger drauf sind. Während sich früher nur Yehudi Menuhin dafür stark machte, haben nach Gidon Kremer auch Thomas Zehetmair, Isabelle Faust und Janine Jansen diese Konzerte eingespielt.

Zur aktuellen Neuaufnahme mit Christian Tetzlaff gesellt sich sogar ein Konkurrenzangebot mit Renaud Capuçon. Obwohl dieser mit François-Xavier Roth am Pult des London Symphony Orchestra das stärkere Team hinter sich hat, empfehlen wir die CD von Christian Tetzlaff. Und zwar wegen der Persönlichkeitsstärke dieses Geigers, der in den letzten Jahren eine furiose Entwicklung durchgemacht hat.

Voodoohaft

Während Tetzlaff, seit vorgestern 52 Jahre alt, früher den Konfirmanden und braven Hamburger Pastorensohn nie ganz verleugnen konnte, scheint inzwischen ein Knopf bei ihm aufgegangen zu sein. Nicht nur hat er sich plötzlich die Haare schulterlang wachsen lassen, als wolle er den Großstadt-Indianer mimen. Sein Spiel ist viel impulshafter, eruptiver geworden von einem geradezu vulkanischen Ausbruchsstil geprägt.

Dies leicht voodoohafte kommt den sehr speziellen, individualistischen Violinkonzerten Bartóks ungemein zugute; deren zweites Bartóks letztes Instrumentalkonzert überhaupt war und dessen erstes erst nach seinem Tode uraufgeführt wurde.

Spielerisch Spitze

Sehr schürfend, sehr krass in der Farbgebung – aber doch ohne den Spliss und klanglichen Ätzfaktor, wie man ihn bei Gidon Kremer finden würde –, machen diese Konzerte einen zugleich wilden und lyrisch tiefernsten Eindruck. Vielleicht könnte man ein Quantum ungarischen Bluts vermissen.

Stattdessen begleitet das Finnische Rundfunk-Sinfonieorchester unter Hannu Lintu naturhaft, kompakt und beinahe sibeliusartig. Dank großer Integrität und Unverwechselbarkeit setzt sich Tetzlaff dennoch spielerisch an die Spitze der Diskographie.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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