Belcea Quartet: Schostakowitsch; Montage: rbb
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Kammermusik - Dmitri Schostakowitsch: Streichquartett Nr. 3 | Klavierquintett

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Zusammen mit dem Pianisten Piotr Anderszewski präsentiert das Ensemble um die Geigerin Corina Belcea das Klavierquintett von Dmitri Schostakowitsch.

Piotr Anderszewski, Pianist; © Ari Rossner / Warner Classics
Piotr Anderszewski; © Ari Rossner / Warner Classics | Bild: Warner Classics

Die ersten Takte dieser Kammermusik spielt der Pianist ganz allein, erst nach einer knappen Minute des genauen "Hineinhörens" gesellt sich das Streichquartett mit einem markanten Akkord hinzu. Dmitri Schostakowitsch hat den Klavierpart einst für sich selbst geschrieben, "um einen Grund zu haben, zu Konzerten in verschiedene Städte und Dörfer zu reisen." Bei dieser Einspielung des Klavierquintetts von 1940 übernimmt mit Piotr Anderszewski einer der besten Pianisten unserer Tage diese exponierte Rolle, ergänzt von einem der besten Streichquartette des letzten Jahrzehnts.

Debüt

Kaum zu glauben, aber wahr: Dieses Ensemble, das für seine makellose Gesamteinspielung der Beethoven-Quartette mit Preisen ausgezeichnet wurde, hat jetzt tatsächlich zum ersten Mal eine CD mit Musik von Schostakowitsch aufgenommen. Und dieses Debüt ist überaus gelungen, im feinen, aufmerksamen Zusammenspiel mit Anderszewski und danach allein, beim Streichquartett Nr. 3, dem zweiten großen Werk dieser CD.

Kunst der Fuge

Auch für dieses Werk hat der große Kontrapunkt-Modernisierer Schostakowitsch eine Fuge geschrieben, die es buchstäblich in sich hat: den polyphonen Geist Johann Sebastian Bachs, die erweiterte Harmonik der Spätromantik und die moderne Klangsprache der russischen Avantgarde.

Hinzu kommen allerlei ironische und sarkastische Seitenhiebe gegen die sowjetische Kulturbürokratie – zeitlebens und bis zu Stalins Tod 1953 hat sich der Komponist vor dem Diktator gefürchtet und deshalb Werke mit "doppeltem Boden" geschrieben – an der Oberfläche optimistisch und verständlich, gleichzeitig sublim und mehrdeutig.

Perfektes Zusammenspiel

So klanglich perfekt das 1994 in London gegründete Ensemble mit dem Pianisten zusammenarbeitet, so souverän gestalten die vier Streicher ihren ureigenen homogenen Quartettklang, der sich wiederum aus vier vorzüglichen Einzelstimmen entwickelt – vorbildlich und derzeit wohl von keinem anderen Ensemble zu übertreffen.

Hans Ackermann, kulturradio

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