"Berliner Philharmoniker: The Asia Tour"; Montage: rbb
Bild: Berlin Phil Media GmbH

Tournee-Dokumentation - Berliner Philharmoniker: The Asia Tour

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In einem Luxus-Schuber mit 5 CDs und einer Blu-Ray haben die Berliner Philharmoniker die letzte Asien-Tournee dokumentiert, die sie im November 2017 nach Asien unternommen hatten. Darauf enthalten sind Werke von Brahms, Stravinsky, Rachmaninoff und anderen Komponisten. Ein gelungenes Abschiedsgeschenk?

Das Dokument der wohl letzten Tournee, die Simon Rattle mit den Berliner Phiharmonikern im Spätherbst 2017 nach Asien unternahm, ist das Abschiedsgeschenk für einen scheidenden Chef. Noch einmal konnte Rattle in Hong Kong, Guangzhou, Wuhan, Shanghai, Seoul, Kawasaki und Tokyo einige seiner stärksten Stücke zeigen, darunter Strawinskys "Petruschka" und Klavierkonzerte von Bartók (Nr. 2 mit Yuja Wang) und Ravel (mit Seong-Jin Cho). Daneben Brahms' Vierte, ein Komponist, in den Rattle in den letzten Jahren viel Energie investierte.

Einzige Novitäten, immerhin, sind die 3. Symphonie von Rachmanonov, die es auf CD nie zuvor unter Rattle gab, sowie "Chorós Chordón" von Unsuk Chin. Alle Mitschnitte entstanden – angeblich aus aufnahmetechnischen, aber wohl auch aus Jubiläums-Gründen – in der Suntory Hall in Tokyo, wo das Orchester vor 60 Jahren erstmals gastiert hatte – damals unter Karajan. (Der Mittschnitt des Ravel-Konzertes mit Cho entstand in Berlin.)

Dumpfer Charakter

Auffällig ist das klangliche 'Gedränge', also der Versuch, alle Musiker gleichermaßen musikalisch vorn zu platzieren – was allerdings auch zum eher dumpfen Charakter der Aufnahmen beiträgt. Die klangliche Schichtung, mit anderen Worten, ist nicht optimal. Stattdessen steht das pünktliche Befolgen der Anweisungen im Zentrum, so als wollten – um es deutlich zu sagen – die Musiker stets auf den Herrn Lehrer mitverweisen, der vor seiner vorbildlich agierenden Klasse steht.

Zur Lebendigkeit trägt das nicht bei. Vollends bei Brahms vertreibt das Festgezurrte, Überkompakte alle Atmosphäre, alles lässige Ungarisieren und herbstlich Hinblühende, das man bei diesem Brahms, dem Akademiker, leider vergeblich sucht. Auch wird, Rattles alte Schwäche!, durch Lautstärke das gutzumachen versucht, was an innerem Aufbau fehlt. Rachmaninoffs 3. Symphonie, einem leicht hypertrophen, aber doch irgendwie triftigen Werk, kommt Rattles straffer Zügel noch am ehesten zugute. Erstaunlich trotzdem, wie unvirtuos, nicht mal übermäßig präzise das Orchester in diesen Live-Aufnahmen klingt. Die Streicher haben unter keinem Philharmoniker-Chefdirigenten matter gewirkt als hier.

Entbehrlich

Unverständlich schließlich, dass man sich wiederum für die querformatige Schachtel-Konstruktion entschieden hat, welche in kein Regal passt und die umständlicher zu handhaben ist als jedes andere Format. Der enge Schuber, in den das Ganze gezwängt ist, ist nötig, weil der Klapp-Deckel sonst zerbricht. Der Umschlag, der drum gelegt ist, verknickt jedenfalls.

Als Abschiedgeschenk für Rattle wird dieses durchaus entbehrliche Produkt getoppt nur noch durch seinen Effekt rapider Entzauberung.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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