Jaques Fromental Halévy: Le Reine de Chypre; Montage: rbb
Bild: Ediciones Singulares

Oper - Jaques Fromental Halévy: "Le Reine de Chypre"

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Sie ist vielleicht nicht die wichtigste, aber doch unbestritten die prachtvollste Opernedition der letzten Jahre: die Reihe "Opéra français" vom Label Ediciones Singulares.

Die Exemplare sehen stets aus wie ein Buch, und zwischen den Buchdeckeln klemmen nicht nur die CDs, sondern auch jede Menge Infos und Bilder. Jetzt ist ein neuer Band erschienen – mit einer Ersteinspielung von Halevys einstigem Kassenschlager "Le Reine de Cyhpre".

Eine große Oper, die über weite Strecken in Venedig spielt. Dunkle Kanäle, fiese Intrigen, eine Liebesgeschichte, und das alles hinreißend instrumentiert. Der Zweite Akt beginnt etwa mit tiefen Pizzicati, fahlen Holzbläsern, und dazwischen gongt unheilvoll eine nächtliche Turmuhr, allein dafür hat sich die Anschaffung schon gelohnt.

Und man lernt beim Hören wieder viel über Musikgeschichte. Diese Oper war der große Hit in Paris 1841. Genau zu diesem Zeitpunkt waren zwei große Komponisten vor Ort, die diese Oper  stark beeindruckt hat – nämlich Donizetti und Wagner. Donizetti hat der Stoff so imponiert, dass er ihn für eine eigene Oper geklaut hat: Caterina Cornaro. Und Wagner, damals noch ohne antisemitischen Rappel, war äußerst angetan von dem Werk. Er hat es nicht nur ausführlich in einem Aufsatz analysiert, sondern auch einen Klavierauszug erstellt.

Kompromisslos dramatischer Stil

Halevy, ein Mainstream-Komponist mit Ambitionen, war einer der erfolgreichen Pariser Spektakelschreiber im Fahrwasser von Meyerbeer. Seine bekannteste Oper wird auch heute noch gespielt: Die Jüdin. Halevy war kein großer Melodienerfinder – aber er macht das wieder wett durch einen sehr kompromisslosen dramatischen Stil, eine Instrumentierungskunst, die in den besten Momenten an Berlioz heranreicht und großartigen deklamatorischen Schwung besitzt.

All das hat den jungen Wagner sehr beeindruckt. Man sieht ihn förmlich auf der Stuhlkante sitzen, wenn Halevy hier ein Finale des ersten Aktes kreiert, das sich fast melodielos wie eine Schlammlawine lärmend und brutal über den Zuhörer hinwegwälzt. Wagners Kommentar dazu: "Könnt Ihr für einen ersten Akt mehr verlangen?" Manch harscher Moment im Ring scheint auf dieses Finale zurückzuweisen.

Grandios gesungen – leider ohne Ballett

Ein Kritikerkollege sprach von "Opernglück", Worte, die man in unserer Zunft bei eher raren Opern selten hört – und ich muss ihm beipflichten. Wenn man diese Spielbergs der Operngeschichte, diese monumentalen Blockbuster des 19. Jahrhunderts, wirklich genießen will, müssen sie einfach perfekt gesungen sein und enthusiastisch einstudiert. Beides ist hier der Fall. Herve Niquet steht am Pult, was will man mehr. Er ist momentan neben Marc Minkowski der beste, den man für Projekte gewinnen kann, saftig in den Massenszenen, und doch bleibt sein Kammerorchester Paris immer schlank und durchsichtig.

Veronique Gens, eine der bedeutendsten französischen Sopranistinnen der Gegenwart, agiert wie fast immer fulminant in der Titelpartie. Gerade ihre deklamatorischen Passagen gehen unter die Haut. Der Held der CD  ist allerdings die Neuentdeckung Cyrille Dubois (als Caterinas Liebhaber Gerard), der hier kurzfristig in der mitgeschnittenen Konzertreihe für einen erkrankten Tenor eingesprungen ist und nach dieser Aufnahme vermutlich bald nach oben durchstarten wird.

Aber auch die Nebenrollen sin durch die Bank blendend besetzt. Nach manchem Schwächeln hat die Reihe Opéra français diesmal wieder alles richtig gemacht. Oder doch fast alles – die Ballettmusiken fehlen. Vermutlich, damit das Ganze auf zwei CDs passt. Da sie bei der Gattung Grand Opéra essentiell sind, ziehe ich schweren Herzens eines unserer Ks ab – denn perfekt wär's nur mit Tänzen.

Matthias Käther, kulturradio

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