CEEYS: Wænde; Montage: rbb
Bild: Neue Meister

Neo-Klassik - CEEYS: "Wænde"

Bewertung:

Die reizvolle Kombination aus den natürlichen Tönen des Cellos mit den elektronischen Klängen des Keyboards prägt die moderne Minimal Music des Berliner Duos CEEYS.

In den Plattenbausiedlungen von Berlin-Hellersdorf muss es in den späten Achtzigerjahren bei aller Hochhaus-Tristesse viel kreative Energie gegeben haben – anders hätten sich die  Brüder Daniel und Sebastian Selke mit ihren Instrumenten wohl nicht zu solch kreativen Musikern entwickeln können.

Verspielte Brüder

Geboren 1980 und 1983 in Ostberlin haben die Brüder in den dünnen Wänden der elterlichen Plattenbauwohnung musiziert, um dann nach 1989 als jugendliche Klangtüftler die "Wende" zu erleben. Beides soll im Albumtitel "Wænde" zum Ausdruck kommen – so wie der Name des Ensembles mit den Buchstaben der Instrumente "Cello" und "Keys" spielt. Gesprochen wird dieser Name allerdings wie das englische Meer in der Mehrzahl: "Seas".

Echos aus Klingenthal

Viel Konzept, wenige Töne – auf diese Formel könnte man den liebenswürdigen Minimalismus dieses Albums bringen. Oft genügt den beiden modernen Neo-Romantikern eine einfache rhythmische Figur, die sich pulsierend verwandelt und mit dezenten Klangflächen vereint wird – erzeugt mit "originaler DDR-Elektronik", mit elektrischen Pianos und Echogeräten aus Klingenthal!

Dieser nur ein klein wenig "ostalgische" Rückblick in die musiktechnologische Vergangenheit eines vergangenen Landes präsentiert Erinnerungen an Erlebnisse aus einer "undurchsichtigen Zeit zwischen überschwänglicher Freude und völliger Ratlosigkeit", wie es im Booklettext zum Titelstück "Wænde" heißt.

Klänge und Bilder

Grau war bekanntlich die vorherrschende Farbe östlich der Berliner Mauer und von diesen "Greys" handelt das interessanteste Stück des Albums. Es ist aus repetitiven Strukturen mit tonalen Harmonieverläufen entwickelt – an sich nichts Aufregendes. Doch immer wieder lassen die Brüder mit experimentellen Tonfolgen die ersten Sonnenstrahlen der Wende ins Hellersdorfer Grau dringen.

Eine gelungene Klangmalerei, zu der sich im Booklet auch eine Fotografie von Daniel Selke findet: Plattenbau in der Abendsonne, natürlich mit einer "Reflekta II"  aus dem VEB Welta-Kamerawerke aufgenommen.

Hans Ackermann, kulturradio

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