Rafael Kubelík: Complete Recordings on Deutsche Grammophon; Montage: rbb
Bild: DG

Orchester - Rafael Kubelík: Complete Recordings on Deutsche Grammophon

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In einer riesigen Box mit 64 CDs und 2 DVDs sind sämtliche Aufnahmen wiedererschienen, die Rafael Kubelík in den Sechziger- und Siebzigerjahren für die Deutsche Grammophon gemacht hat. Zum Mitnehmpreis – noch.

Der Rang des tschechischen Dirigenten Rafael Kubelík (1914 – 1996) verdankt sich nicht nur der Tatsache, dass er als Mahler-Dirigent Pionierarbeit leistete (sein Mahler-Zyklus startete noch vor dem von Leonard Bernstein). In Kubelíks prägenden achtzehn Jahren als Chef des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks erwarb er sich einen legendären Status in München, wo er bis heute recht kultisch verehrt wird.

Die musikalische Spezialität dieses Universalisten bestand darin, dass er eigentlich alle Komponisten so behandelte, als seien sie entweder Vorläufer, Zeitgenossen oder Wirkungen der Musik Dvořáks. Ein erstaunlich spezifischer Blickwinkel, und umso bemerkenswerter, welch universalen Sinn Kubelik aus dieser im Grunde engen Optik zog.

Vorausschauend und visionär

In München besaß sein Orchester 114 Musiker, er selber bezeichnete sich als "den 115." (so erzählt er in einem hier mitgelieferten Fernseh-Porträt). In beispielloser Uneitelkeit ging er so weit, glanzvollere Posten etwa beim Chicago Symphony Orchester, am Londoner Covent Garden und als Chefdirigent der Metropolitan Opera nach kürzester Frist wieder zurückzugeben. Stattdessen legte er sich erfolgreich mit der bayerischen Landespolitik an, als man dort ein neues Rundfunkgesetz verabschieden wollte (das aufgrund seiner Intervention verändert wurde).

Auf Probenmitschnitten sieht man Kubelík – bei vorzüglicher Schlagtechnik – vor allem abwägen, mäßigen und zum Vorwärtsgehen freundlich ermuntern. Auch in dem Ziel, den gemeinhin grantelnden Pult-Star vom Pult herunterzuholen, war er vorausschauend und visionär.

Kubelík, geboren als Sohn des berühmten Geigen-Virtuosen Jan Kubelík, hat zahllose Schallplattenaufnahmen für alle möglichen Labels gemacht. Die DG-Aufnahmen in dieser Groß-Box sind seine wichtigsten. Darunter ein vollständiger Dvořák-Symphonienzyklus mit den Berliner Philharmonikern, außerdem Mahler-, Schumann- und Beethoven-Zyklen sowie die epochalen Opern-Gesamtaufnahmen des "Palestrina" (mit Nicolai Gedda) und "Oberon" (mit Birgit Nilsson).

Hinzu kommen zahlreiche Trouvaillen von Karl Amadeus Hartmann, Martinů, Tcherepnin sowie die Erstaufnahmen der "Gurre-Lieder" sowie der Instrumentalkonzerte von Arnold Schönberg. Mit unter zwei Euro pro CD soll die Box für kurzfristigen cashflow beim Stammlabel DG sorgen. Sie wird schon bald Sammlerpreise erzielen, die weit darüber liegen.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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