Schostakowitsch - Sämtliche Sinfonien © Melodya
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Orchester - "Schostakowitsch - Sämtliche Sinfonien"

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Schon zu Zeiten der Sowjetunion war das heutige "Staatliche Sinfonieorchester der Republik Tatarstan" eines der besten Orchester des Landes. Mit seinem Chefdirigenten Alexander Sladkovsky hat das Ensemble aus Kasan jetzt sämtliche 15 Sinfonien von Dmitri Schostakowitsch neu aufgenommen.

Gleich seine erste Sinfonie führt Dmitri Schostakowitsch 1925 mit großem Erfolg und weltweiter Anerkennung auf: Bruno Walter spielt das Werk anschließend in Berlin, Leopold Stokowski nimmt die Partitur des jungen russischen Komponisten mit in die USA.

Bekenntnis

Eingebunden in das sowjetische Musikleben, schreibt Schostakowitsch zwar auch bekenntnishafte, vor allem aber moderne Musik - und erweckt damit immer wieder das Misstrauen der engstirnigen Kulturbürokratie. Seine 1934 uraufgeführte Oper "Lady Macbeth von Mzensk" wird zunächst von der Kritik gefeiert, missfällt dann zwei Jahre später aber Stalin. Und weil der Diktator nach einem Besuch einer Aufführung sein Urteil derart bedrohlich formuliert, muss Schostakowitsch fortan um sein Leben zu fürchten. Der politische und psychologische Druck des "Formalismusvorwurfs" beeinflusst auch die sinfonischen Arbeiten der späten 1930er Jahre.

Requiem

Weltberühmt wird Schostakowitsch mit seiner "Leningrader" Sinfonie,  die er 1942 als erste von drei Sinfonien im 2. Weltkrieg komponiert. Das fast 80 Minuten dauernde Werk wird in Moskau und Leningrad, aber auch in London und New York als Anklage gegen den Nationalsozialismus aufgeführt.

Perkussion

Das Orchester aus Kasan interpretiert sämtliche Sinfonien mit höchster Präzision und größter Dynamik. Der Dirigent Alexander Sladkovsky, der sein Handwerk unter anderem als Assistent bei Mariss Jansons gelernt hat, verzichtet auf Pathos und wählt stattdessen auffallend raue Klänge. Die Perkussion ist den Streichern und Bläsern oft gleichgestellt -  ein grundlegendes Merkmal dieses Komponisten, der dadurch eine ungemein starke Dramatik zu erzeugen wusste.

Orchesterlieder

Eine besondere Stellung im sinfonischen Werk nimmt die Sinfonie Nr. 14 ein. Hier hat Schostakowitsch - wie Gustav Mahler  in seinem "Lied von der Erde" - Orchesterlieder komponiert. Die Texte - unter anderem von Apollinaire - singt die Sopranistin Natalia Muradymova, die originelle Begleitung hat Schostakowitsch in der Partitur in weiten Teilen wieder den Perkussionisten des Orchesters überlassen.

Tugenden

Die  abschließende 15. Sinfonie kann dann durchaus als Summe eines sinfonischen Schaffens gehört werden. Hier sind noch einmal sämtliche Tugenden dieses Jahrhundertkomponisten vereint - die vollständige Kenntnis der kompositorischen Tradition und die hervorragende Fähigkeit, daraus einen eigenen, modernen Stil zu entwickeln. 

Humor

Unverzichtbar für Dmitri Schostakowitsch war dabei sicher auch die Eigenschaft,  sich trotz widrigster Umstände den Humor zu bewahren - eine Qualität, die man aus allen sinfonischen Werken des Komponisten ebenfalls heraushören kann.

Hans Ackermann, kulturradio

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