The Gounod Edition; Montage: rbb
Bild: Warner Classics

15 CD-Box - "The Gounod-Edition"

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Aus Anlass des 200. Geburtstages von Charles Gounod hat die Schallplattenfirma Warner ihre – man sollte wohl vermuten: wichtigsten – Gounod-Aufnahmen zu einer großen Box zusammengestellt. Ein Grund zum Feiern?

Die respektable Box legt einen Querschnitt durch die Hauptwerke des Komponisten vor, darunter den obligatorischen "Faust" (mit Placido Domingo), "Roméo et Juliette" (mit Alfredo Kraus und Catherine Malfitano) und "Mireille" (mit Mirella Freni). Nicht unbedingt die absolut besten Aufnahmen (z.B. fehlt der "Faust" von André Cluytens mit Nicolai Gedda und die spätere, vielleicht bessere "Romeo et Juliette"-Aufnahme von Plasson mit Roberto Alagna).

Dafür werden hier beide Symphonien, drei Messen (von insgesamt 21) und etliche Lieder und Arien großer Sänger geboten, die zum Teil aus deren Einzel-Alben zusammengeklaubt wurden. Ein reputierlicher Rundumschlag also, indem etliche Entdeckungen zu machen sind.

Gounod war – nicht zuletzt in Gestalt seines berühmt-berüchtigten "Ave Maria", für das er auf das 1. Präludium aus Bachs Wohltemperiertem Klavier eine Melodie-Stimme geschrieben hatte – ein höchst erfolgreicher, aber auch gern angezweifelter Komponist. Tschaikowsky befand (womöglich neidisch): "alles, was er nach dem 'Faust' geschrieben hat, ist schwach, talentlos". Vielleicht hat man ihm seinen großen Erfolg nicht recht verzeihen können. Im Deutschen existiert nicht eine einzige Monografie über Gounod.

Weiter geht keine Box

Highlights der Box sind einige Lieder, gesungen von Camille Maurane und José van Dam, ebenso die von John Barbirolli dirigierten Sinfonien und die seltenen Aufnahmen weniger Sakralwerke. Für Gounod, der in Rom prägende Eindrücke empfangen hatte, bestand kein Gegensatz zwischen Religiösität und Popularität. Worin er wohl schlicht und ergreifend ein ausnehmend katholischer Komponist gewesen ist.

Wer alles Wesentliche von Gounod haben will, muss gewiss das eine oder andere zukaufen. Weiter als diese Gounod-Edition indes geht keine Box. Auch ein reizvoll-abseitiger deutscher Querschnitt des "Faust" (mit Nicolai Gedda, Edda Moser und Kurt Moll) ist mit dabei. Der entstand sogar in Berlin.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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