Gluck_Orfeo ed Euridice (Quelle: Erato)
Bild: Erato

Oper - Christoph Willibald Gluck: "Orfeo ed Euridice" (Neapel 1774)

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Auf einer Einzel-CD ist Glucks bedeutendste Oper "Orfeo ed Euridice" jetzt als Weltersteinspielung in der Fassung von 1774 (Neapel) neu erschienen.

Als „Weltersteinspielung“ präsentiert sich diese italienische Fassung von Glucks "Orfeo ed Euridice" mit dem Countertenor Philippe Jaroussky. Die männliche Hauptrolle hat man schon mit allen möglichen Stimmfächern besetzt gesehen: mit Bariton (z.B. Fischer-Dieskau), mit Tenor (z.B. Juan Diego Flórez), mit Mezzo-Sopran oder eben Counter-Tenor.

Die Fassungsfrage

Gluck selber hat sogar noch eine Fassung für einen Sopranisten geschrieben (für Parma 1769). Doch hierum handelt es sich im Fall dieser Gesamtaufnahme nicht; denn die Parma-Version läge für Philippe Jaroussky zu hoch. Er hat zu einer Aufführung aus Neapel 1774 seine Zuflucht genommen. Aus diesem Jahr stammt zwar auch die französische Fassung der Oper, die Gluck für Paris einrichtete; doch um diese Fassung handelt es sich hier wieder nicht. Für den Hof von Neapel vielmehr wurde im Frühjahr 1774 eine leicht gekürzte, in der Instrumentation vereinfachte und von fremder Hand aufgefütterte Fassung hergestellt, die (erstmals) auf nur einer CD Platz hat. Die ist es. (Doch Obacht: Im November 1774 ging das Werk in Neapel noch einmal in Szene, wieder in einer neuen, diesmal großzügiger ergänzten Fassung; und die ist hier erneut nicht gemeint...)

Die Fassungsfrage, mit anderen Worten, erscheint hier eher als Feigenblatt für kaufwillige Kunden; während man einmal darüber nachdenken sollte, wie sehr das Wort „Weltersteinspielung“ inzwischen zum Fetisch verkommen ist. Schwerer wiegt, dass Philippe Jarousskys inzwischen spitziger, leicht soubrettiger Countertenor für die Rolle des verlustgeschüttelten, sich in beständigem Lamento ergehenden Charakter nur bedingt geeignet erscheint. Für meinen Geschmack ist er: fast fehlbesetzt. Auch wenn er sehr schön singt! Erschwerend kommt hinzu, dass man seine Stimme von denen Amors (Emöke Baráth) und Euridice (Amanda Forsythe) nicht auf Anhieb unterscheiden kann. Der Dirigent Diego Fasolis und I Barocchisti leisten Vorzügliches; nur dass ihnen einige schöne Instrumentalsätze in dieser Fassung gerade gestrichen sind. Kurz: Geschmackssache.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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