Justin Taylor: Continuum © Alpha
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Alte Musik - "Continuum"

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Justin Taylor rockt das Cembalo mit Kompositionen von Ligeti und Scarlatti

"Continuum" nannte György Ligeti eine Komposition, mit der er 1968 auf dem Cembalo ein Paradox darstellen wollte: Auf einem diskontinuierlich konstruierten Instrument soll mit dem Stück ein kontinuierlicher Klang erzeugt werden. Das ist nur durch ein extremes Tempo möglich, wobei die beiden Stimmen der Komposition immer abwechselnd auf den beiden Manualen des Cembalos gespielt werden: "Prestissimo, so dass die Einzeltöne kaum mehr wahrzunehmen sind, sondern zu einem Kontinuum verschmelzen."

Justin Taylor

Programmatisch wählt der junge, preisgekrönte Cembalist Justin Taylor diese Ligeti-Komposition zum Titel seiner zweiten Solo-CD. Darauf finden sich – sorgfältig kombiniert – auch Werke eines anderen Avantgardisten: Domenico Scarlatti. Der hatte vor 300 Jahren mit seinen neuartigen und stets originellen Sonaten für einen Meilenstein der Cembaloliteratur gesorgt. Der Kontrast funktioniert bestens, das Cembalo wird in den unterschiedlichsten Schattierung präsentiert; und deutlich häufiger als zuvor gedacht entdeckt man Gemeinsamkeiten (es "rockt" nicht nur im "Hungarian Rock" von Ligeti, sondern auch in mancher Scarlatti-Sonate).

Hervorragendes Instrument, perfektes Spiel

Mit dieser Einspielung hat Justin Taylor erneut seine enormen künstlerischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Schon die Auswahl der Scarlatti-Sonaten und ihre Kombination mit den Ligeti-Stücken zeugt von einem großen Sinn für musikalische Dramaturgie. Sein Spiel ist perfekt: Bei Scarlatti perlen die virtuosen Läufe nur so dahin, klingen die Verzierungen wunderbar harmonisch und die langsamen Abschnitten poetisch. Bei Ligetis "Continuum" gelingt es ihm dank rasanter Technik tatsächlich, den geforderten Klangteppich zu erzeugen. Zugute kommt Taylor dabei ein hervorragendes Instrument, die Kopie eines Cembalos der Antwerpener Instrumentenbaudynastie Ruckers aus dem 17. Jahrhundert, das Ende des 18. Jahrhunderts von Henri Hemsch nochmals umgebaut wurde. Mit einem gewaltigen Spektrum von farbigen Obertönen ist der Klang dieses Instruments in den unterschiedlichen Lagen beglückend.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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