Max Reger: Orchestral Edition © Deutsche Grammophon
Bild: Erato

Orchesterwerk - Max Reger: "Orchestral Edition"

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In einer Box mit zwölf CDs hat die Deutsche Grammophon soeben das Orchesterwerk von Max Reger neu veröffentlicht – oder wiederveröffentlicht. Gibt’s dafür einen aktuellen Anlass?

Die 12 CD-Box dieser "Orchestral Edition" von Max Reger stellt die bislang umfassendste Sammlung der Orchester- und Chor-Werke eines Komponisten dar, der früher als große Nummer galt. Inzwischen ist er leider hoffnungslos auf der Strecke geblieben. Indem Regers 100. Todestag gerade zwei Jahre zurück liegt, entspricht die ‚verrutschte Würdigung’ dieses Sets seinem verblassten Ruhm nicht schlecht.

Regers Problem: Von Wagner zum Komponisten bekehrt, auf den Pfaden von Brahms wandelnd, komponierte er – in geflissentlichem Respektsabstand zu diesen Meistern – Opern oder Symphonien gerade nicht. Durch die Bevorzugung von Variations-Zyklen, Suiten, Serenaden und Orchester-Rhapsodien kaprizierte er sich auf Formen, mit denen schon andere Komponisten keinen Erfolg gehabt hatten. Seine überlangen (Klavier- und Violin-)Konzerte sind klobig, hypertroph und nicht eingängig. Ein schlichtes Thema, eine süffige Melodie zu schreiben war Regers Sache nicht.

So kann es kaum verwundern, dass sich fast ausschließlich der Dirigent Horst Stein ausgiebiger mit Regers Orchesterwerken beschäftigt hat. Seine in den frühen 90er Jahren entstandenen (früher bei Koch/Schwann erhältlichen und auch preisgekrönten) Aufnahmen mit den Bamberger Symphonikern stellen das Hauptwerk dieses Dirigenten überhaupt dar. Alter Opernfex, der er war, entlockte Stein den mäandernden Verwurstungskünsten von Reger – no offence! wir sind Freunde von oberpfälzer Fleischspezialitäten!  – ein enormes Maß an Saftigkeit und Brio.

Ergänzt wird das Set um Chorwerke mit dem NDR-Sinfonieorchester (unter Roland Bader) sowie um Violin-Romanzen (mit Hans Maile als Solist), Eichendorff- und Böcklin-Suiten mit dem DSO unter Gerd Albrecht. Die Box – für etwa 40 Euro – stellt die "Centenary Collection" der Warner in den Schatten (trotz der dortigen Aufnahmen von Joseph Keilberth). Und auch die sehr schönen Aufnahmen aus der DDR-Zeit (unter Konwitschny, Suitner, Rögner, Herbig etc.). Wenn schon Reger, dann diesen.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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