"Nuove Invenzioni"; Montage: rbb
Bild: Sony Classical

Alte Musik - "Nuove Invenzioni"

Bewertung:

Concerto Stella Matutina und Rolf Lislevand entwerfen „nuove invenzioni“ für Alte Musik

Der Titel könnte auch auf einem Druck des frühen 17. Jahrhunderts stehen: "Nuove invenzioni" – "Neue Erfindungen" haben die Musiker von Concerto Stella Matutina ihre jüngste CD-Veröffentlichung überschrieben.

Sie präsentieren dabei Bearbeitungen von Kompositionen vorwiegend aus dem 17. Jahrhundert, die mit einem kleinen Barockorchester zuzüglich Laute und Gitarre (Rolf Lislevand und Thor-Harald Johnsen) sowie Jazztrompete und -posaune gespielt werden. Etliche der Vorbilder sind Ostinato-Kompositionen, die sich für die Hinzufügung "neuer Erfindungen" ohnehin am besten eignen.

Muster der Bearbeitung

Zu hören sind vor allem Übergänge. Ein Stück, zum Beispiel die "Aria di passacaglia" von Frescobaldi, setzt mit barockem Instrumentarium (hier Orgel, Laute, Streicher) ein, nach einigen Wiederholungen des Ostinatos kommt eine gestopfte Jazztrompete hinzu und improvisiert dazu, dann wird eine Weile gemeinsam gespielt.

Ganz ähnlich verhält es sich bei den "Pass'e mezzo e passacalli" von Foscarini, auch hier gibt es einen mehr oder weniger konventionellen Beginn, dann kommen Jazztrompete, -posaune und auch Violine mit munteren Improvisationen hinzu.

Und auch das Schlussstück, eine Ciaccona von Phillip Jakob Rittler, ist so bunt aufgebaut; hier wird sogar während des Stückes zwischen Barock- und moderner Trompete gewechselt. Insgesamt ist das schön anzuhören, stellt aber zu viele unterschiedliche Klangbilder und Stile eng nebeneinander, so dass der musikalische Faden verloren geht.

Etwas anders ist es bei der Händel-Bearbeitung aus einer Geburtstagsode für Queen Anne, da passiert erstmal mehr als eine Minute lang fast nichts außer der Erzeugung eines Klangteppichs, den Händels grandioses Original gar nicht nötig hat.

Auf halbem Wege

Fazit: Die "Nuove invenzioni" sind auf halbem Wege steckengeblieben, denn die Bearbeitungen entfernen sich nur halbherzig von den Originalen, trotz eines hervorragend besetzten Ensembles. Warum nicht viel freiere Arrangements der Vorbilder, dann aber mit einem vollen Jazzinstrumentarium?

Aufnahmetechnik

Positiv an dieser Aufnahme soll aber noch das Klangbild angemerkt werden. Mit durchdachten Verstärkungen sind insbesondere die Lauten- und Gitarrenklänge von Rolf Lislevand und Thor-Harald Johnsen wunderbar transparent hörbar, auch wenn Blechblasinstrumente dazuspielen.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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