G. Szell: One Hundred Musicians and a Perfectionist, Montage: rbb
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Orchestermusik - George Szell: One Hundred Musicians and a Perfectionist

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Der Dirigenten-Legende George Szell (1897 – 1970) verdankt das Cleveland Orchestra, das er 1946 übernahm, seine Weltgeltung. In den knapp 25 Jahren seiner beinharten Regentschaft machte Szell Schallplattenaufnahmen wie ein Weltmeister.

Deren Summe beläuft sich auf nicht weniger als 106 CDs – die hier erstmals gesammelt, remastert und im Gewand der alten LP-Cover vorgelegt werden.

Szells Stil bestand hauptsächlich in der strikten Befolgung eines Genauigkeitsideals. Er war sich der Tatsache bewusst, dass er den spieltechnischen Standard seines Orchesters heben müsse, um mit der europäischen Konkurrenz, die er in Wien, Prag und Berlin kennengelernt hatte, mithalten zu können. Also ließ er in der berühmten Severance-Hall (am Stadtrand der damals reichen Stahl- und Erdöl-Metropole Cleveland) eine Orchestermuschel installieren, in der die Musiker zwar kaum sich selber, Szell aber dafür jeden kleinsten Fehler hören konnte. Die Rosskur war so erfolgreich, dass noch Szells Chef-Nachfolger Christoph von Dohnanyi stöhnte: "Wenn ich in Cleveland ein gutes Konzert dirigiere, kriegt immer noch Szell die gute Kritik; wenn ich versage, kriege ich die schlechte."

Gemessen an seinen strikten Verfahrensregeln muss man sich wundern, was für ein Maß an Lust, sprühendem Witz und Pointiertheit Szell aus seinen Musikern herauslockte. Es gibt kaum ein Repertoire (außer der Barockmusik), in dem er versagte. Freilich polarisiert er – bis heute. Karajan verehrte ihn. Harnoncourt, der unter Szell bei den Wiener Symphonikern im Orchester gespielt hatte, hasste ihn, weil er ein bloßer "Uhrmacher" gewesen sei.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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