Johann Simon (Giovanni Simone) Mayr: Che Originali!, Montage: rbb
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Oper - Johann Simon Mayr: "Che Originali!"

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Nicht allen großen Kassenschlager der Oper haben die Zeiten überlebt, manche einstigen Dauerbrenner sind vergessen worden. Doch zuweilen graben kleine Theater sie aus.

Genau das ist geschehen mit einer alten Lieblingsoper der Italiener: "Che Originali!" ("Was für Originale!"). Der Livemitschnitt vom Donizetti-Festival in Bergamo ist nun beim Label Dynamic zu haben.

Aber: Ein Donizetti-Festival-Mitschnitt aus Bergamo ohne Donizetti? Warum nicht! Mayr hat nun wirklich alle Berechtigung, dort gespielt zu werden. Er war Donizettis Lehrer und hat in Bergamo gewohnt. Mayr, als junger bayrischer Illuminat auf der Flucht in Italien ankernd, hat zwar nicht die italienische Politik subversiv untergraben, wohl aber die Operntradition. Genaugenommen hat er keinen Stein auf dem anderen gelassen und das 19. Opernjahrhundert in Italien mit einem Paukenschlag eröffnet.

Auch wenn "Che Originali!" schon die vierte Mayr-Buffa ist, war sie doch die erste mit durchschlagendem internationalem Erfolg. Mayr nimmt hier den musikalischen Dilettantismus aufs Korn. Ein Adliger, der völlig besessen ist von Musik, kein anderes Thema kennt und seine beiden Töchter dazu zwingt, den ganzen Tag Musik zu machen – das bietet Gelegenheit zu bitterbösen Seitenhieben auf den damaligen Musikbetrieb. Ein sehr lustiges Stück, das auch heute noch Spaß macht. Und die Strukturierung der Nummern ist extrem vorausweisend!

Mayr hat hier bereits 1798 mit seinem Librettisten Gaetano Rossi so etwas kreiert wie die erste moderne Opera Buffa des 19. Jahrhunderts. Der Librettist war später auch immer zur Stelle, wenn es darum ging, Rossinis frühe bahnbrechende Visionen umzusetzen. Sowohl Rossinis erste Komische Oper stammt aus der Feder Rossis als auch "Tancredi".

"Che Originali!" ist erst Rossis zweites Libretto, doch das Team Mayr & Rossi hat hier erstmals eine Art Werkstatt ausgerüstet, die bald extrem erfolgreich sein sollte – etwa 20 Opern haben die beiden zusammen ausgeheckt. Hier ist zum ersten Mal ausgeprägt der typische Buffa-Stil zu hören, den wir von Rossini her kennen.

Sympathisch und idiomatisch umgesetzt

Ich habe erst vor Wochen eine andere Produktion dieses Theaters ziemlich verrissen, aber hier ist dann doch erfreulich viel richtig gemacht worden. Die Aufschrift "World Premiere Recording" ist genaugenommen falsch. Tatsächlich kann man hier von der ersten wirklich ernstzunehmenden Umsetzung auf CD sprechen.

Die echte Ersteinspielung von 1999 unter Franz Hauk hatte sich vor allem Münchner Gesangsstudenten bedient, die aber dem Werk nicht gerecht werden konnten. Das ist eben kein unkompliziertes Singspiel, das ist schon anspruchsvollster Belcanto. Und selbst jetzt, da viele Profis dabei sind wie Bruno di Simone oder die großartige Mezzosopranistin Chiara Amaru, spürt man, dass die Sänger an ihre Grenzen kommen.

Angela Nisi als Donna Rosina hat zwar nur eine große Koloraturarie, aber die setzt sie leider in den Sand. Das ist natürlich schmerzlich, einer der wenigen Momente dieser Aufnahme, in denen man die Stirn dann doch in Falten legt. Aber vielleicht fällt das gerade deswegen so unangenehm auf, weil sonst fast alles perfekt ist. Sogar die extrem schwierige Rolle des Don Caralino (schon ein kleiner Almavia) ist hier mit Leonardo Cortellazzi zumindest so fachgerecht besetzt, dass man ahnt, wie das ganze vom Komponisten gemeint ist.

Gianluca Capuano hält sein Ensemble gut zusammen, was bei diesen Buffe ja extrem wichtig ist, denn dieser Teamgeist, die Freude an der albernen Handlung, den grotesken Figuren muss mit dabei sein, wenn wir uns auch freuen sollen. Hier sind ausschließlich Italiener auf der Bühne, die sich im doppelten Sinne verstehen – sprachlich und untereinander.

Matthias Käther, kulturradio

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