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Alte Musik - Hieronymus Praetorius

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Werke von Hieronymus Praetorius mit dem Ensemble Weser-Renaissance

Hieronymus Praetorius gehörte in den Jahrzehnten um 1600 zu den angesehensten Musikern der Stadt Hamburg. Er folgte seinem Vater Jacob als Organist der dortigen Jacobikirche nach und schuf für den liturgischen Gebrauch in der Hansestadt zahlreiche geistliche Werke. Kompositorisch gehörte Hieronymus Praetorius zu jenen Musikern, die den venezianischen Sakralstil in den protestantischen Raum übertrugen. Seine virtuosen, vielstimmigen Motetten verbreiteten in der wohlhabenden und weltoffenen Stadt Hamburg einen festlichen Glanz.

Rekonstruktion einer Messe

Das Ensemble Weser-Renaissance unter Leitung von Manfred Cordes hat auf seiner neuesten CD die Rekonstruktion eines feierlichen Hauptgottesdienstes eingespielt, wie er in einer großen Hamburger Kirche zu Beginn des 17. Jahrhunderts hätte stattfinden können. Akribisch wurden dafür Orgelwerke, mehrstimmige Motetten sowie Messsätze von Praetorius und einstimmige liturgische Gesänge nach der damals verbindlichen Gottesdienstordnung zusammengestellt.

Ein- und Mehrstimmigkeit

Sehr gut gelingt die Interpretation der mehrstimmigen Werke von Praetorius, die auch den Schwerpunkt der Einspielung bilden. Vokal- und Instrumentalstimmen vereinigen sich zu einem großen Wohlklang, wobei die Homogenität des Ensembles trotz der unterschiedlichen Farben immer erhalten bleibt. Als weniger glücklich erweist sich dagegen die Darbietung der einstimmigen liturgischen Gesänge. Vorgetragen von Mirko Ludwig und weiteren Ensemblesängern (die die Gemeinde imitieren) klingen diese Abschnitte zwar makellos sauber, aber wenig lebendig. Eine „sakrale Atmosphäre“ lässt sich damit jedenfalls nicht erzeugen. Ein großer Gewinn wiederum für die Messrekonstruktion sind die Orgelstücke, die von Volker Jänig auf der wunderbaren Schwalbennestorgel der Marienkirche in Lemgo gespielt werden und sich sehr schön mit den mehrstimmigen Werken ergänzen.

Fazit: Man lernt auf dieser CD mit Hieronymus Praetorius einen überragenden Komponisten kennen; gleichzeitig schießen die Rekonstruktionsbemühungen des Hamburger Gottesdienstes mit der liturgischen Einstimmigkeit ein wenig über das Ziel hinaus.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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