Johann Strauß Sohn: "Aschenbrödel"; Montage: rbb
Bild: cpo

Ballett in drei Akten - Johann Strauß (Sohn): "Aschenbrödel"

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Johann Strauß wird für gewöhnlich als Meister der Tanzmusik bezeichnet – bei all seinen berühmten Walzern und Galoppen wundert es eigentlich, dass er kein großer Ballettkomponist wurde. Nun ist aber doch ein Ballett von ihm auf CD erschienen.

Über dieses Werk zu reden ist – so harmlos und märchenhaft der Titel klingen mag – wie das Betreten eines Minenfeldes. Denn Strauß konnte sein letztes Bühnenwerk nicht mehr vollenden. Er starb über der Partitur, und die erhaltenen Fragmente wurden vom versierten Ballettkomponisten Josef Bayer ergänzt und zusammengestellt. Der Streit zwischen den Experten, wie nun genau die authentische Fassung aussehen könnte, schlägt bis heute hohe Wellen, zumal die Fragmente zwischendurch auch mal den Besitzer wechselten, um es höflich auszudrücken.

So wird die hier zugrundeliegende Fassung von Michael Rot von anderen Experten, etwa von der Deutschen Johann-Strauß-Gesellschaft durchaus als ungenügend und nicht ausreichend auf der verfügbaren Quellenbasis fußend angefochten. Rot versichert dagegen trutzig im Booklet, er hätte nun mit seiner Fassung unter die Angelegenheit "einen Schlussstrich gesetzt". Das klingt ein bisschen wie Pfeifen im dunklen Walde, und es steht zu fürchten (oder zu hoffen, je nach Position), dass der Streit so schnell nicht verebben wird.

Mehr Bayer als Strauß

Fest steht: Wir haben hier also nun eine Einspielung mit neu arrangiertem Material (Richard Bonynge hat das Werk in anderer Version bereits für die Decca aufgenommen), und das klingt insgesamt sehr nach Bayer und nur hin und wieder nach Strauß. Warum auch nicht – auch Bayer zuzuhören kann sich lohnen. Er hat schließlich mit der "Puppenfee" bewiesen, dass auch er ein ernstzunehmender Ballettkomponist war. Nur hätte ich mir hier eine plastischere Herausstellung des Bearbeiters durch das Label gewünscht – etwa durch Nennung des zweiten Komponistennamens nicht nur im kleindruckten Booklet. Das sind wir sowohl Strauß als auch Bayer eigentlich schuldig.

Solide und temporeich

Auch sonst ist cpo nicht ganz so kundenfreundlich wie gewohnt. Die Tracksetzung ist eine echte Zumutung, ganze Bilder werden, wie zu Beginn der CD-Ära, als ein Block gesetzt. Es ist unmöglich, Highlights anzuwählen.

Darüber erhaben ist allerdings die Aufnahme selbst – welch eine Fassung hier nun auch vorliegen mag, das ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter dem Strauß-Spezialisten Ernst Theis spielt das Werk solide und temporeich, wenn vielleicht nicht ganz so seidig wie Bonynge – der ist halt der große Ballettdirigent der Ära, an dem man sich messen lassen muss. Doch wer mit der Einschränkung leben kann, dass dies zwar amüsante Wiener Ballettmusik, aber kein waschechter Johann Strauß ist, wird durchaus seinen Spaß haben.

Matthias Käther, kulturradio

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