John Adams: "Doctor Atomic"; BBC Symphony Orchestra, BBC Singers; Montage: rbb
Bild: Nonesuch

Oper - John Adams: "Doctor Atomic"

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Die Entwicklung der ersten Atombombe als musikalisches Drama – mit Gerald Finley als J. R. Oppenheimer gelingt dem BBC Symphony Orchestra, geleitet von John Adams, eine hervorragende Neuaufnahme.

Die Oper "Doctor Atomic" erzählt von den Ereignissen im Juni 1945 auf dem Testgelände von Los Alamos. Die Physiker Julius Robert Oppenheimer und Edward Teller führen dort im Auftrag der US-Regierung letzte Atomtests durch. Wenige Wochen später fallen dann am 6. und am 9. August die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki und beenden damit den 2. Weltkrieg.

Klangliche Dauerspannung

Das Libretto hat Peter Sellars, der 2005 auch die Uraufführung der Oper in San Francisco inszenierte, aus Dokumenten und Gesprächsnotizen aus der damaligen Zeit entwickelt. John Adams hat diese von den Zweifeln und inneren Konflikten der Physiker bestimmten Texte mit aufreibenden zeitgenössischen Klängen vertont – die ungeheure Anspannung der damaligen Zeit findet sich als klangliche Dauerspannung auch in der Partitur wieder.

Choräle des Schreckens

Wie schon bei "Nixon in China" setzt John Adams mit "Doctor Atomic“  ein zeitgeschichtliches Thema in authentisches Musiktheater um. Einen musikalisch-dramatischen Höhepunkt gibt es gleich zu Beginn: Einsteins berühmte Formel "E=mc²" wird als Chor der Physiker vorgetragen: "Matter can be neither created nor destroyed but only altered in form" – das physikalische Grundprinzip der Masse-Energie-Äquivalenz als apokalyptischer Choral des Schreckens. Zum Endes des ersten Aktes wird im "Electrical Storm" noch einmal komplizierte Kernphysik in eindringliche Orchesterklänge transformiert.

Leiser Schluss

Adams verzichtet auf ein tösendes "Zerstörungs-Finale". Stattdessen hört man die leise Stimme einer japanischen Frau und ihre wiederholte Bitte nach Wasser – still und in Trauer klingt diese wichtige Oper aus.

Hans Ackermann, kulturradio

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