Peter Joseph von Lindpaintner: Die sizilianische Vesper
Bild: Naxos

Oper - Peter Joseph von Lindpaintner: "Die sizilianische Vesper"

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Fast jeder berühmte Opern-Stoff ist mehr als einmal vertont worden, und inzwischen machen sich eine Menge Festivals und Opernhäuser den Spaß, unbekannte Opern mit bekanntem Inhalt aufzuführen. Nun liegt ein Mitschnitt vor von einer „Sizilianischen Vesper“, und zwar nicht von Verdi, sondern von Peter Joseph von Lindpaintner.  

Lindpaintner war Hofkomponist in Stuttgart, und hat mehr als 10 Jahre vor Verdi (1843) eine Sizilianische Vesper auf die Bühne gebracht, die zumindest an Aufwand und Gepränge durchaus mit Verdi mithalten kann: Dreieinhalb Stunden Musik, 15 Solisten, große Chöre, Balletteinlagen. Aber da hört die Parallele schon auf. Denn gerade das, was uns an Verdis Plot reizt – die von Scribe herausgearbeiteten großen Situationen, der schwelende Vater-Sohn-Konflikt der innere Zwist zwischen Familientreue und Freiheitsliebe, die spannende Liebesgeschichte – all das gibt es hier nicht, das Libretto fußt zwar auf dem gleichen historischen Ereignis (der Befreiung Siziliens von der französischen Fremdherrschaft im 13. Jahrhundert), bedient sich aber diverser Klischees, die allgemein geläufig sind, sieht man vielleicht mal vom rauschenden Aufstand am Schluss ab.

Gängige Belcanto-Muster

Lindpaintner war – zumindest in dieser Oper – kein Mann der Reform. Die Oper folgt den gängigen Belcanto-Mustern. Anders als in der kürzlich erschienenen "Catharina Cornaro" seines Landsmannes Franz Lachner blitzt kaum so etwas wie ein Personalstil auf.

Nun muss das bei einer gut gebauten – und dieses Werk ist bis ins kleinste Detail gut gebaut! – Oper nicht immer ausschlaggebend für den Erfolg sein. Man kann, wie wir von zahlreichen zweitklassigen Opernpräsentationen auf diversen Festivals wissen, auch an solchen Spektakeln durchaus seinen Spaß haben. Doch hier ist diesmal viel falsch gemacht worden.  Dabei hatte man mit Volker Tostas kritischer Edition eine Steilvorlage für einen großen Abend beim Rossini-Festival in Bad Wildbad, das in den letzten Jahren immer wieder mit originellen bis genialen Ausgrabungen für Furore sorgte.

Doch diesmal war es ein Rohrkrepierer

Zunächst wurde mit der Übersetzung ins Italienische dieser deutschen Oper noch der letzte Anschein einer nationalen Anmutung geraubt, die Akustik der Trinkhalle wurde dem monströsen Werk nicht gerecht, und der Camerata Bach Choir klang eindeutig zu dünn. Auch die Sänger bleiben hinter den Anforderungen zurück. Sicher ist Danilo Formaggia ein akzeptabler Tenor – in kleinen Werken. In Buffe wäre er entzückend. Hier geht er als Fondi schon im Auftrittslied unter. Eine Spur souveräner und nobler, aber eigentlich auch zu klein besetzt: Mtija Meic als Carlo d’Anjou. Einzig Silvia Dalla Benetta als Eleonora und Ana Victoria Pitts als Page Albino waren dem gigantischen Werk stimmlich gewachsen. Für mich ein Flop – und doch muß man den Mut Wildbads bewundern, sich immer wieder solcher Werke anzunehmen. Vielleicht klappt es beim nächsten wieder besser.

Matthias Käther, kulturradio

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