Antonio Salieri: "Les Horaces" © Aparte
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Oper in drei Akten - Antonio Salieri: "Les Horaces"

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Drei französische Opern gibt es von Antonio Salieri. Zwei davon, Les Danaides und Tarare, gelten als Meilensteile der Gattung Grand Opera. Aber was ist mit der winzigen dritten, Les Horaces, die 1786 sang- und klanglos nach drei Vorstellungen wieder in der Versenkung verschwand? Das Label Aparte hat sie ans Tagelicht zurückgeholt.

Und das mit Erfolg. Inzwischen kratzt sich der Kritiker mit komischer Verzweiflung am Kopf: Warum eigentlich sind fast alle neuen Opernaufnahmen aus Frankreich so gut – was machen die Nachbarn richtig, und warum klingen unsere Sachen in Deutschland dagegen fast immer  behäbig?

Schwer zu sagen. Fest steht: in ununterbrochener Folge erreichen grandios gesungene und gespielte Opern aus dem Nachbarland den CD-Markt, die stilistisch sicher, mit Aplomp und großen Stimmen Rares sehr genießbar machen.

Zauberflöten-Atmosphäre

Es mag gute Gründe gegeben haben, warum diesen sehr flotten Salieri vor 230 Jahren keiner hören wollte. Vermutlich war er den Parisern mit seinen 85 Minuten einfach zu kurz. Sogar Gluck beugte sich den Gepflogenheiten des langen opulenten Opernabends und streckte seinen Orfeo für Paris. Hier in den Horatiern fehlt es an Arien und Balletten – beides ist zwar da, aber doch recht embryonal.

Heute hören wir der Römergeschichte dagegen sehr gern zu – wir sind knapp bemessene, aber dramatisch packende Opern gewöhnt und lieben sie spätestens seit Leoncavallos Bajazzo. Und für 1786 – dem Jahr des Figaro – ist Salieri mehr eingefallen, als auch der anspruchsvollste Fan von ihm erwarten durfte – der feierliche Ton der Chöre nimmt schon gespenstisch die Zauberflöten-Atmosphäre vorweg.

Eine wirklich schöne Oper in bester Ausstattung

Besetzt wurde optimal. Judith van Wanroj als Camille, der junge frischgebackene Tenorstar Cyrille Dubois als Curiace, was will man mehr? Vielleicht einen Dirigenten, der Salieri liebt und kennt? Kriegen Sie: am Pult steht Christophe Rousset, der auch schon die Danaiden eingespielt hat. Das war schon eine grandiose Leistung, aber hier finde ich ihn noch   schmissiger und ausgefuchster.

Einziges Manko sind vielleicht etwas sehr heroischen Rezitative, die wirken wie gegossenes Beton, aber dafür können die Interpreten nichts. Eine wirklich schöne Oper in bester Ausstattung ist zurück: man könnte von einem Ausnahmefall der CD-Geschichte sprechen, aber sonderbarerweise kommt aus Frankreich grade so viel Gutes, das die Ausnahme zur Regel wird. Siehe oben.

Matthias Käther, kulturradio

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