Antonio Vivaldi: Il Grosso Mogul © Pan Classics
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Alte Musik - Antonio Vivaldi: "Il Grosso Mogul"

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Die spanische Geigerin Lina Tur Bonet präsentiert einen theatralischen Vivaldi

An Dramatik hat es die aus Ibiza stammende Geigerin Lina Tur Bonet bei ihren bisherigen CDs mit Werken von Biber und Corelli nie mangeln lassen. Für ihre neueste Veröffentlichung hat sie Konzerte und Sonaten des venezianischen Meistergeigers Antonio Vivaldi zusammengestellt, die gleichfalls von effektvollen Kontrasten geprägt sind.

Il Grosso Mogul

Titelgebend für das Album ist Vivaldis Violinkonzert D-Dur (RV 208), das (nicht von Vivaldi) den Beinamen "Grosso Mogul" erhalten hat. Ob dieser Titel den Bezug zu einer Oper von Domenico Lalli ("Il Gran Mogol") oder doch zu einem sagenhaft großen Diamanten herstellen sollte, wurde bislang nicht geklärt, in seiner wilden Virtuosität ist das Stück gleichwohl sehr beeindruckend.

Lina Tur Bonet spielt die Erstfassung des Konzerts inklusive einer gigantischen, rund fünfminütigen Kadenz im Schlusssatz, die schon fast an Paganini denken lässt. Spieltechnisch ist das sehr beeindruckend, die irrwitzigen Kaskaden klingen sauber und technisch einwandfrei, aber zuweilen wird die Interpretation von Dramatik geradezu überrannt, zumal auch der Mittelsatz, ein bedeutungsvolles Rezitativ, kaum Entspannung bietet.

Dramatik pur

Dieser dramatischer Ausdruck von "Grosso Mogul" findet sich auch in den anderen Werken der CD wieder. Das ist im Concerto "per Violino in Tromba" (die Geige imitiert hier mit präpariertem Steg eine Trompete) schlüssig, auf die Dauer aber etwas ermüdend. Schön, dass es in den Sonaten (die schon fünf Jahre zuvor aufgenommen wurden) einige langsame Sätze gibt, die etwas für Beruhigung sorgen. Sehr positiv wirkt sich hier auch die großzügige und abwechslungsreiche Besetzung der Continuostimme aus.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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