Berliner Blockflöten Orchester: Alla turca; Montage: rbb
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Orchester - Berliner Blockflöten Orchester: "Alla turca"

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Was ist schlimmer als eine Blockflöte? Zwei Blockflöten! Ein unverwüstlicher, aber absolut unzutreffender Kalauer. Denn die rund 35 Blockflöten des BBO sind großartig!

Solche Formationen gibt es zwar einige in Deutschland, aber wohl keine in dieser hohen Qualität. Vertreten sind alle Instrumente der Blockflötenfamilie, die Spannweite vom Sopranino, also der kleinsten über die normale Blockflöte, der Alt- und Tenorblockflöte bis zu ganz merkwürdig aussehenden Instrumenten wie dem "Subgrossbass". Das sind riesige Holzklötze mit Bogen und Mundstück, ähnlich wie beim Fagott, "Klangschränke" könnte man auch dazu sagen. Ein Blockflötenorchester deckt ein Frequenzspektrum ab, das größer ist als das eines Sinfonieorchesters ...

Orientalisches Fluidum

Die Geschichte des BBO begann 1948. Da wurde das "Neuköllner Blockflötenorchester" an der dortigen Musikschule gegründet. Ursprüngliches Anliegen war es eben, den Blockflötenschülern und -schülerinnen die Möglichkeit zu geben, auch in einer größeren Besetzung aufzutreten. Und dieses Neuköllner Blockflötenorchester hat relativ bald innerhalb West-Berlins Furore gemacht. Im Jahr 2012 hat dann Simon Borutzki dieses Orchester übernommen.

Simon Borutzki ist einer der besten Soloblockflötisten, die wir in Deutschland haben. Seine Mission ist es, neben seiner Solokarriere auch das Instrument von seinem Negativimage zu befreien – und mit dieser CD gelingt ihm das auch wirklich ganz gut. Zumal er unter dem Motto "Alla turca" wirklich ein originelles Konzept entwickelt hat. Sämtliche Werke haben ein orientalisches Fluidum und wurden vom Leiter selbst für Blockflötenorchester eingerichtet.

Auch als Arrangeur ist Simon Borutzki ein absoluter Profi, der die Anatomie der Blockflöte aus dem FF kennt, vom Sopranino bis zum Subgrossbass und dem Subkontrabass. Er weiß, wie man mit dieser Instrumentenfamilie möglichst klangvolle Effekte erzielt. Alles, was man da hört, ist wirklich äußert fantasievoll und anregend.

Neben "Klassik-Hits" wie dem titelgebenden "Rondo alla turca" von Wolfgang Amadeus Mozart oder Händels "Einzug der Königin von Saba" findet man auch die Ouvertüre zu Rossinis "Italienerin in Algier". Da gibt es Effekte, die man bei einem Sinfonieorchester niemals hören würde. Dann gibt es auch spezielle Werke von Komponisten aus dem Repertoire der sogenannten "British Light Music", von Ernest Richard Kroeger oder Bert R. Anthony, sehr hübsche Kabinettstücke, die man sonst nie hört.

Am Schluss steht dann aber noch ein Werk, das extra für das BBO und für diese Debüt-CD komponiert wurde. Simon Borutzki hat es in Auftrag gegeben beim Komponisten Sören Sieg, der als Kind auch Blockflöte gelernt hat, heute aber überwiegend für Sänger schreibt. Aber die Blockflöte und die menschliche Stimme sind sich ja nicht unähnlich.

Sören Sieg hat in dieser Komposition für das BBO eine Reise durch Jordanien verarbeitet. Dabei besuchte er auch den "Jabal Ram", einen Berg in einer Flussebene. Und dieser Berg ist so etwas wie der "Brocken der Araber". Der wird nämlich von Geistern umkreist – es ist also eine "arabische Walpurgisnachtszene", die den interessanten Schlusspunkt dieser hörenswerten Debüt-CD setzt!

Claus Fischer, kulturradio

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