Edward Loder: Raymond and Agnes; Montage: rbb
Bild: Retrospect Opera

Große Oper in drei Akten - Edward J. Loder: "Raymond and Agnes"

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Beim Stichwort "britische Oper" fallen vielen vielleicht zwei berühmte Komponisten ein – Purcell und Britten. Aber was war eigentlich in den 250 Jahren zwischen den beiden los?

Experten auf dem europäischen Festland versichern meist, dass man die britischen Opernaktivitäten in dieser Zeit getrost vernachlässigen kann. Die Briten sehen das naturgemäß anders. Ein kleines britisches Label präsentiert jetzt stolz: "Raymond and Agnes. Große Oper in 3 Akten" von Edward Loder.

Eine Kuriosität, die durchaus hörenswert ist, aus zwei gewichtigen Gründen. Grund Nummer eins: Kein geringerer als Dirigentenlegende Richard Bonynge hat diese Oper von 1855 ausgegraben. Und der hatte schon immer einen guten Riecher für Schätze – er war der eigentliche Pionier in Sachen Belcanto-Renaissance. Und vielleicht sollten wir ihm auch diesmal vertrauen, wenn er sagt: das Werk lohnt sich.

Der zweite Grund, warum diese Oper speziell für uns deutsche Hörer interessant ist: Die Handlung spielt in Deutschland. Es ist eine Gruselgeschichte, die an die Traditionen der Gothic Novel anschließt. Der Bösewicht heißt Baron von Lindenberg, der es sich in den Kopf gesetzt hat, eine Agnes zu heiraten, weil seine Familie vor Urzeiten von einer Agnes verflucht wurde. Da aber die betreffende neue Agnes schon anderweitig gebunden ist, löst der Entschluss eine Menge verwickelte Probleme aus.

Das Ganze ist eine Mischung aus romantischen und komischen Elementen, vielleicht entfernt vergleichbar mit Lortzings "Undine". Das tolle an den Briten ist, dass sie sich nicht so bierernst nehmen. Auch ihre dunkelsten romantischen Opern werden mit Augenzwinkern erzählt, haben eine burleske Seite. Leider blitzt bei ihnen deswegen aber (vor Britten) auch nie etwas wirklich Gefährlich-Dämonisches auf.

Diese Oper klingt wie ein Zwischenstopp auf der Schnellzugstrecke Auber-Sullivan. Nicht immer ist die Musik erstklassig, aber sie überrascht dann doch über weite Strecken durch Elegie und Eleganz.

Retrospect Opera – nie gehört?

Kein Wunder Das Label, hat seit 2014 nur fünf CDs herausgebracht. Nicht gerade umtriebig, aber diese Enthusiasten finanzieren sich durch Spenden und Zuschüsse aus diversen Kulturtrusts. Erstaunlich, wie viel Geld inzwischen leidenschaftliche Spender für solche Projekte bereitstellen, denn wenn man Profimusiker wie Bonynge oder die Sopranistin Majalla Cullagh bezahlen kann, muss es schon eine erkleckliche Summe sein.

Die Qualität der Aufnahme selbst bewegt sich allerdings eher in einem guten Mittelfeld – das heißt, man kann die Oper mit Vergnügen anhören, kommt aber nicht in den Genuss einer wirklich überragenden Interpretation. Fast keine Stimme überzeugt so ganz, merkwürdigerweise scheint das sitzungsabhängig zu sein, was ich so ausgeprägt selten erlebt habe. Mal klingt Tenor Mark Milhofer dünn und fragil, ja zittrig in der Stimme, einen Akt später singt er souverän. Mal wobbelt es gefährlich im Sopran von Majella Cullagh, dann schlägt sie sich mit Bravour. Nur der recht ausgewaschene Rumpelbass von Andrew Greenan (als Bösewicht-Baron) dröhnt gleichbleibend unbefriedigend.

Chor und Orchester sind wie immer unter Bonynge ohne Fehl und Tadel.

Matthias Käther, kulturradio

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