Hans Zender: "Schuberts Winterreise"; Montage: rbb
Bild: Alpha Classics

Lieder - Hans Zender: "Schuberts Winterreise"

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Der Tenor Julian Prégardien steht im Mittelpunkt der "Komponierten Interpretation", mit der Hans Zender die "Winterreise" von Franz Schubert in unsere Gegenwart holt.

Was ist anders bei dieser Winterreise – alles und nichts! Wir hören die originalen Lieder, den "Lindenbaum", die "Wetterfahne", die "Krähe", hören die originalen Melodien, aber Schuberts ursprüngliche Klavierbegleitung ist in Zenders "komponierter Interpretation" in das Orchester übertragen worden. Solistische Streicher und Bläser, aber auch Gitarre, Akkordeon und vielfältige Perkussion – es ist beinahe Schauspielmusik, die Zender vor genau einem Vierteljahrhundert in Frankfurt am Main zum ersten Mal aufgeführt hat.

Ensemble modern

Damals, im September 1993, hat das renommierte "Ensemble Modern" Zenders behutsam modernisierten Schubert uraufgeführt. Die CD feiert dieses Jubiläum jetzt mit einer gelungenen Neueinspielung des damaligen Projektes. Dabei klingt die Winterreise im Saarbrücker Sendesaal so lebendig, als wäre man tatsächlich draußen mit dem "Wanderer" (hervorragend: Julian Prégardien) unterwegs. Die Musiker der Deutschen Radio Philharmonie setzen Zenders Partitur unter der Leitung des Dirigenten Robert Reimer mit größter klanglicher Phantasie um.

Schubert modern

Hans Zender beschreibt sein Werk als "ein Gespräch zwischen vergangener und gerade vergehender Zeit". Bei aller Spiel- und Experimentierfreude hat der 1936 geborene Komponist aber mit höchsten Respekt vor dem vor fast 200 Jahren komponierten Zyklus gehandelt: "Das veränderte Stück darf keinen Schaden leiden, darf nicht verfälscht oder gegen seine natürliche Richtung gekehrt werden".

Höhepunkte

Aus den 24 Liedern ragt in der Mitte das mit expressiven Klangfarben gemalte "Auf dem Flusse" heraus. Bei dieser besonderen Naturbetrachtung führt Julian Prégardien, seit dem vergangenen Jahr Professor für Gesang in München, seine enorme stimmliche Bandbreite vor. Von flehend-zart bis wütend-überdreht – wie gut dieser lyrischer Tenor ist, wie flexibel er mit der Stimme umgehen kann, hört man dann auch im "Frühlingstraum", wo der Sänger mühelos die stimmlichen Perspektiven wechselt.

Schubert ist auf diesem Album in jeder Hinsicht in den allerbesten Händen!

Hans Ackermann, kulturradio

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