Leonard Bernstein: "Die Drei Sinfonien" © Warner Classics
Bild: Warner Classics

Orchester - Leonard Bernstein: "Die Drei Sinfonien"

Bewertung:

Die römische Accadémia di Santa Cecilia hat unter der Leitung von Antonio Pappano die drei Sinfonien von Leonard Bernstein neu aufgenommen - ein Geschenk zum 100. Geburtstag des Komponisten.

1983  wurde Leonard Bernstein zum Ehrenpräsidenten der Accademia di Santa Cecilia ernannt. In den Jahren zuvor hatte man über Jahre hinweg erfolgreich zusammengearbeitet. Antonio Pappano erfüllt sich mit dem Tributalbum einen Herzenswunsch, denn er schätzt die Musik Bernsteins,  aber auch dessen Persönlichkeit und Engagement als Musikvermittler.

Antonio Pappano © Hans Ackermann
Bild: Hans Ackermann

Glaubenskrise

Bernsteins drei Sinfonien sind zeitgenössische Kompositionen, aber zugleich auch Dokumente einer lebenslangen persönlichen Auseinandersetzung mit dem Glauben:  "Hier ist er nicht das Wunderkind, das unglaubliche Talent, sondern nur Musiker und Philosoph. Ein Gläubiger, der in seinem Glauben unsicher ist", beschreibt Antonio Pappano den inneren Antrieb Bernsteins, in gross angelegten sinfonischen Werken der "Glaubenskrise" als zentrales Problem unserer Zeit künstlerischen Ausdruck zu verleihen. 

Die Sinfonie Nr. 1 mit dem programmatischen Titel "Jeremiah" handelt von der biblischen Prophezeiung des Jeremias, die zweite Sinfonie "The Age of Anxiety - Das Zeitalter der Angst" vertont ein Gedicht vom W.H. Auden, mit der Sinfonie Nr. 3 "Kaddish" hat Bernstein schließlich Anfang der 1960er Jahre ein letztes aufrüttelndes, spirituelles Riesenwerk für Orchester, gemischten Chor, Knabenchor, Sopran-Solo und Sprecherin fertiggestellt - uraufgeführt 1963 mit dem Israel Philharmonic Orchestra in Tel Aviv.

"Bernsteinianer"

Mit den drei vorzüglich aufgenommenen Sinfonien und einem ausführlichen Booklet, mit Texten und vielen Fotos ist das Album ein überaus gelungener Beitrag zum Bernstein-Jahr. Der 1990 in New York gestorbene Dirigent und Pianist zählt immerhin zu den bekanntesten US-amerikanischen Komponisten des 20. Jahrhunderts, sein sinfonisches Werk führt aber immer noch ein Schattendasein.

Einzige Ausnahme: "Prelude, Fugue and Riffs", jene drei temporeichen Sätze, die man regelmäßig in den Konzerthäusern und Philharmonien antrifft. Pappano beendet mit diesen Zugaben ein Album, das er zu Ehren Bernsteins aufgenommen hat - und mit dem er sich zurecht auch selbst ein wenig als "Bernsteinianer" feiert.

Hans Ackermann, kulturradio

Weitere Rezensionen

Hans Zender: "Schuberts Winterreise"; Montage: rbb
Alpha Classics

Lieder - Hans Zender: "Schuberts Winterreise"

Der Tenor Julian Prégardien steht im Mittelpunkt der "Komponierten Interpretation", mit der Hans Zender die "Winterreise" von Franz Schubert in unsere Gegenwart holt.

Bewertung: