Iveta Apkalna: Light & Dark © Berlin Classics
Bild: Berlin Classics

Orgelpremiere - "Light & Dark"

Bewertung:

Nachtarbeit. Titularorganistin Iveta Apkalna hat die erste Aufnahme eines Soloprogramms auf der Orgel der Elbphilharmonie eingespielt.

Am 11. Januar 2017 wurde die Elbphilharmonie eröffnet und dabei kam auch bereits die Orgel zum Einsatz. Warum hat es denn dann so lange bis zu dieser ersten CD gedauert, mag man sich fragen. Hauptgrund ist, dass der große Saal seit Eröffnung in Dauer-Bespielung ist. Doch eine Orgel muss optimal auf den Raum hin konzipiert werden, d.h. es sind  nach dem Einbau klanglich noch viele Nachjustierungen nötig, bis das Instrument den Raum optimal füllt. Das geht nur, wenn darin nichts stattfindet. Dazu kommt aber auch, dass die Hausorganistin oder "Titularorganistin", die Lettin Iveta Apkalna, sehr gefragt ist, sie hat enorm viele Konzertverpflichtungen in aller Welt.

Und auch sie braucht für eine CD-Aufnahme, selbst wenn alles glatt läuft, vier Tage bzw. Nächte, denn durch die Dauer-Bespielung des großen Saales konnte Iveta Apkalna tatsächlich nur nach 23 Uhr aufnehmen. Und beim sehr ambitionierten Programm dieser CD war das Schwerstarbeit!

Hochvirtuose Spieltechnik

Schon beim ersten Hineinhören ist man angenehm überrascht! Die Orgel der Firma Johannes Klais aus Bonn mit ihren 69 Registern ist schon ein ziemliches Kraftwerk. Es war im Vorfeld zu befürchten, dass sie sehr laut ist und wenig Nuancen in der Dynamik hat, doch dem ist nicht so! Der Klang ist auch keinesfalls "hanseatisch unterkühlt", es gibt im Hauptchor, in den sogenannten Prinzipalstimmen, eine große Wärme, und es gibt auch wirklich etliche intime, ja sphärische Register.

Dieses Riesenspektrum an Ausdrucksmöglichkeiten bringt Iveta Apkalna auf dieser CD dank ihrer hochvirtuosen Spieltechnik optimal zum Tragen – ausschließlich in Werken aus dem 20. und 21. Jahrhundert, also von der klassischen Moderne bis zur Gegenwart. Das ist eine sehr kluge Dramaturgie, die sowohl dem Raum als auch dem Instrument gerecht wird! Im Zentrum steht eine Komposition  der Komponistin Sofia Gubaidulina, die in Schleswig-Holstein in relativer Nähe zu Hamburg lebt: "Light & Dark". Um dieses Werk ranken sich dann die anderen Kompositionen, die alle ebenso vom Kontrast leben: laut - leise, warm- kalt, hell – dunkel …

Optisch und klanglich ein Luxusprodukt

Die erste CD der Elbphilharmonie-Orgel ist optisch und klanglich ein Luxusprodukt, an dem sowohl orgelinteressierte Laien ihre Freude haben werden als auch Fachleute auf ihre Kosten kommen. Ein umfangreiches Booklet mit vielen Hochglanzfotos und ausführlichen Erläuterungen zu den aufgenommenen zehn Kompositionen, von denen etwa die Hälfte Ersteinspielungen sind. Dazu wird die komplette Anatomie der Orgel im wahrsten Wortsinn "entfaltet", es ist nämlich ein kleines Poster beigegeben, das die Orgel durch den Röntgenblick zeigt. So kann auch der Laie ganz klar nachvollziehen, wie das Instrument aufgebaut ist. Auf der Rückseite findet man dazu dann all die Angaben, die der Orgelkenner und die Fachfrau haben möchten.

Auch die Etappen des Einbaus kann man im Booklet nachvollziehen. Sehr schön finde ich den Schnappschuss mit Iveta Apkalna und Orgelbaumeister Philipp Klais, beide mit weißen Bauarbeiterhelmen auf dem Kopf. Hier wird deutlich, wie stark die Organistin involviert war, wie sie das Instrument auch mit konzipiert hat. Es ist auch ihr Kind, und das hört man in den Aufnahmen! Als Käufer hat man übrigens eine sehr seltene Wahlmöglichkeit: die CD ist nämlich auch als Vinyl erschienen!

Claus Fischer, kulturradio

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