Antonín Dvořák – Klaviertrios Nr. 3 & 4; Montage: rbb
Bild: Ondine

Kammermusik - Antonín Dvořák – Klaviertrios Nr. 3 & 4

Bewertung:

Mit Leidenschaft interpretiert das Trio um den Geiger Christian Tetzlaff die beiden kammermusikalischen Spätwerke von Antonín Dvořák.

Dunkle und nachdenkliche Klänge hat Antonín Dvořák 1883 komponiert, als er in seinem Klaviertrio Nr. 3 den Tod seiner gerade gestorbenen Mutter zu verarbeiten hatte – die Sonne, die sonst in vielen Werken von Antonín Dvořák aus den Noten funkelt, ist hier nur wie durch einen Wolkenschleier zu ahnen.

Leidenschaft

Innerhalb dieser Melancholie lassen sich die höchst inspirierten Musiker aber immer wieder zu dramatischen Ausbrüchen hinreißen. Im "Poco adagio" des dritten Trios erinnert ein kurzer freundlicher Abschnitt an glückliche Tage, bevor es dann wieder zurückgeht, in die alles bestimmenden Moll-Tonarten, mit denen Dvořák in beiden Werken die Atmosphäre gestaltet.

Beim Trio Nr. 4 mit dem Beinamen "Dumky" – nach der elegischen Gedichtform, die in slawischen Sprachen "Dumka" genannt wird – hat der Komponist in jedem der sechs Sätze die Tonart sogar ausdrücklich in der Satzbezeichnung angeführt, vom Auftakt in e-Moll bis zum Finale in c-Moll.

Zusammenhalt

Stringent, also schlüssig aufeinander bezogen, müssen diese sechs Sätze des Trios Nr. 4 gespielt werden, beschreibt Christian Tetzlaff den Ansatz des Ensembles. Denn oft würden bei diesem häufig gespielten Trio einfach nur die Sätze aneinandergereiht – obwohl "Dvořák hier nicht einfach mit Emotionen in Schwarz-Weiß um sich schleudert, sondern ein stringentes Meisterwerk geschaffen hat".

Diese Aussage des Geigers unterstreicht den hohen Anspruch, der hier mit einer hervorragenden Interpretation erfüllt wird. Hinzu kommt die ausgezeichnete Qualität der Aufnahme, die im April 2018 im Sendesaal Bremen entstanden ist. Die Cellistin Tanja Tetzlaff dürfte ihr kostbares Guadagnini ruhig noch etwas wohliger "brummen" lassen – bei ihrem perfekten Zusammenspiel mit einem der besten deutschen Geiger und dem ebenfalls hervorragenden Kammermusiker Lars Vogt am Klavier.

Hans Ackermann, kulturradio

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