"Ascendo ad patrem meum" – Orgelwerke mit Simon Reichert; Montage: rbb
Bild: PASCHENrecords

Orgelwerke - "Ascendo ad patrem meum"

Bewertung:

Ein genialer Organist, ein wunderbares Instrument und eine exzellente Aufnahmetechnik – hier stimmt einfach alles!

Interpret ist ein noch relativ unbekannter Organist: Simon Reichert. Die Orgel stammt von Bernhardt Edskes, einem Niederländer, der lange schon in der Schweiz lebt. Das Instrument ist ganz im Stil von Arp Schnitger konzipiert, des größten Meisters des Frühbarock. Sehr gelungen! Zu hören ist nord- und süddeutsche Musik aus Renaissance und Frühbarock.

Gänsehaut-Momente

Simon Reichert ist ein wirklich herausragender Organist. Er hat ein großes Gespür für Alte Musik, spielt absolut stilgerecht, klar und transparent, aber doch auch mit viel Emotion. Dazu hat er ein unglaubliches Händchen fürs Registrieren, ein Gespür für Klangfarben. Und das macht diese CD so faszinierend! Man fragt sich am Anfang jedes Stücks "Was macht er jetzt? Welche Klänge wird er kreieren?" Da entstehen immer wieder Gänsehaut-Momente.

Simon Reichert, Jahrgang 1980, stammt aus dem westfälischen Gütersloh, hat Kirchenmusik, Orgel und historische Aufführungspraxis an der Musikhochschule Detmold und der Schola Cantorum Basiliensis in Basel studiert. Heute ist er im Hauptberuf Kantor an der evangelischen Stiftskirche in Neustadt an der Weinstraße. Er hat auch das Instrument anschaffen lassen, an dem diese CD produziert wurde.

Typisch Schnitger

Der Erbauer der Orgel, Bernhardt Edskes war bereits mit 13 Jahren stellvertretender Organist an der Arp-Schnitger-Orgel im holländischen Nordbroek, mit 15 dann an der Schnitger-Orgel in Uithuizen. Er hat also seit seiner Kindheit und Jugend den typischen Schnitger-Klang inhaliert. Da kann man dann später als Orgelbauer nur in diesem Stil bauen!

Edskes war nach seiner Ausbildung zum Orgelbauer lange bei der Firma Metzler in der Schweiz tätig und hat dort die ersten Schnitger-Nachbauten gefertigt. Seit 1975 ist er selbständig, hat in Wohlen bei Zürich seine Werkstatt. Dort entstand auch diese bemerkenswerte Chororgel für die Stiftskirche in Neustadt an der Weinstraße und für den Organisten Simon Reichert.

Begeisternd ist auch die Qualität der Tonaufnahme. Die Firma PASCHENrecords, die die CD produziert hat, hat ihren Sitz in Rostock. Sie wird von zwei recht jungen Tonmeistern geleitet, die wie Simon Reichert an der Detmolder Musikhochschule studiert haben.

Das Instrument Orgel aufzunehmen, ist die Königsdiziplin der Tonmeisterei, gerade aufgrund der vielen unterschiedlichen Klangfarben. Hier ist der Klang angenehm präsent, aber man hört auch den gotischen Raum mit, hat das Gefühl, unmittelbar dabei zu sein!

Virtuos wie nie zuvor

Der Titel der CD "Ascendo ad patrem meum" bezieht sich auf ein Schlüsselwerk des Orgelrepertoires der Renaissance von Arnolt Schlick. Zugrunde liegt ein gregorianischer Choral. Schlick war zwischen 1480 und 1520 Hoforganist in Heidelberg. Aber er war im ganzen damaligen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation bekannt und präsent. "Ascendo ad patrem meum" hat er für die Krönung von Kaiser Karl V. im Aachener Dom komponiert. Darin wird das Orgelpedal derart virtuos eingesetzt wie bis dahin noch nie.

Dieser Auftritt von Arnolt Schlick muss die Zuhörer damals enorm beeindruckt haben – und er beeindruckt in der Interpretation von Simon Reichert auch heute!

Claus Fischer, kulturradio

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