Dabringhaus & Grimm, © 2018
Bild: Dabringhaus & Grimm, © 2018

Klavierwerke - Rossini: "Péchés de Viellesse"

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In einer Box mit acht CDs werden jetzt erstmals die Klavier-Spätwerke von Gioacchino Rossini, genannt „Sünden des Alters“, auf CD vorgelegt. Unser Kritiker Kai Luehrs-Kaiser hat sie sich angehört.

Die etwa 150 Spätwerke, die Gioacchino Rossini ab 1857 unter dem Obertitel "Péchés de Viellesse" sammelte und veröffentlichte, wurden – wahrscheinlich aufgrund ihres Titels – nie ganz ernst genommen. Dabei ist die aphoristische Form der Bagatelle, die der Komponist in den Dienst der Komik stellt, etwas durchaus Neues in der Musikgeschichte.

Die erste Gesamtaufnahme der Klavierstücke dieser Zyklen, welche der deutsche Pianist Stefan Irmer seit 1997 sukzessive einspielte, erscheint umso wünschenswerter. Jetzt, zum 150. Todestag Rossinis, liegen die Aufnahmen erstmals gesammelt vor.

Goldende Verdienstnadel der Rossinisten

Für Rossini bedeutete der Wiedereinstieg ins Komponieren (nach fast dreißig Jahren, die er hauptsächlich aufs Kochen verwendet hatte) den Beginn eines neuen, letzten Lebensabschnittes. Nach gesundheitlichen Krisen nimmt er sich dabei weniger ernst denn je. Es überwiegen die Diminutive ("Chansonette", "Petite valse de boudoir", "Petite polka chinoise" etc.), die Länge liegt öfters mal unter einer Minute. Es ist nicht mehr Salonmusik, sondern schon eher Musik für Mauselöcher – und darin deutlich ein Vorschein auf die epigrammatische Komik eines Erik Satie (der zwei Jahre vor Rossinis Tod erst geboren wurde).

Stefan Irmer, als notorischer Trüffelsucher schon für John Field, Massenet, Clementi, Thalberg etc. aktiv, spielt pointiert und mit Genauigkeit, behält aber sein enzykopädisches Unternehmen immer im Blick. Derlei ernüchtert etwas, so dass man sich einen noch sprühenderen, impulsivieren Zugang vielleicht wünschen könnte. In Anbetracht des durchaus visionären Charakters dieser bislang sträflich ignorierten Werkchen gebührt der Edition die Goldende Verdienstnadel der Rossinisten. Konkurrenzlos!

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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