Harp Trio © Evidence
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Kammermusik - "Harp Trio"

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Marielle Nordmann, die Grande Dame der Harfe in Frankreich, hat sich noch längst nicht zur Ruhe gesetzt. Die 77-Jährige konzertiert unermüdlich und hat im Mai 2018 ihre aktuelle CD veröffentlicht. Zu Recht schaut sie im Booklet auf ihr reiches Musiker-Leben zurück.

In den 1950er Jahren studierte sie bei Lily Laskine am Pariser Konservatorium und diese Lehrerin ebnete ihr nicht nur den Einstieg in das Berufsleben, sondern gab ihr auch einen großen Schatz mit, wie Nordmann erklärt: die Freiheit, kreativ zu sein.

Es sei an der Zeit, diesen Schatz an die nächste Generation weiterzugeben und damit die Erbfolge der Harfentradition in Frankreich zu sichern. Deshalb hat sie dieses CD-Projekt ins Leben gerufen und zwei ihrer besten Schülerinnen um sich geschart. Alexandra Luiceanu und Clara Izambert erhielten bereits als Kinder Unterricht bei Nordmann und sind heute in Frankreich bekannte Harfenistinnen.

Unterstützt von diesen beiden talentierten Musikerinnen hat Nordmann romantische Werke für eine, zwei und sogar drei Harfen eingespielt.

Luftig

Originalkompositionen für drei Harfen – das sucht man in der Romantik vergebens, deshalb greifen sie auf Bearbeitungen zurück.

Sie bedienen sich ausschließlich bei Werken für Klavier, denn die Harfe kann die Klangvielfalt des Klaviers gut übernehmen. Als akkordisches Instrument und mit einem Tonumfang von sechseinhalb Oktaven reicht sie fast an das Klavier heran. Die Unterschiede der beiden Instrumente müssen nicht zum Nachteil gereichen: Die fehlende Lautstärke der Harfen machen die Musikerinnen wett durch sehr plastisch ausgeformte  dynamische Abstufungen; da die Harfensaiten nicht, wie auf dem Klavier, mit Hämmerchen angeschlagen, sondern mit den Fingerkuppen gezupft werden, entsteht ein weniger perkussiver und prägnanter, dafür luftigerer und nachgiebigerer Klang. Durchaus reizvoll bei diesem romantischen Repertoire.

Schwebende Melodien

Franz Schuberts "Auf dem Wasser zu singen" und "Die Forelle" entfalten sich durch ihre arpeggierten Begleitmuster wunderbar auf den Harfen. Ein dicht gewobenes Klangfeld, auf dem die Melodie sehr versonnen schwebt. Bei Rachmaninows Walzer für Klavier zu sechs Händen verschärfen die Musikerinnen das Tempo, nicht nur, um den Effekt des Stücks anzuspitzen, sondern auch, um eine Klangdichte zu erzeugen, die sonst mit den Harfen nicht entstehen könnte.

Flankiert werden die Bearbeitungen für Trio von Originalkompositionen von dem aus Berlin stammenden Harfenisten und Komponisten Albert Zabel, der sowohl an der Berliner Oper als auch beim Kaiserlichen Ballett in St.Petersburg als Solo-Harfenist spielte und von dem aus Wales stammenden John Thomas, der die reiche walisische Harfentradition repräsentiert.

Für Freunde aparter Klänge

Sowohl in den Bearbeitungen als auch den Originalwerken glänzen die Harfenistinnen mit großer Virtuosität. Sie harmonieren eindrucksvoll zusammen, im gemeinsamen Spiel schwingt viel musikalische Empathie und Vertrautheit mit.

Nordmann, die mit zwei Stücken von Mendelssohn und einer Komposition von Zabel auch solistisch zu hören ist, beeindruckt durch ein reflektiertes, stringentes Spiel. Die musikalischen Bögen gestaltet sie sehr liebevoll und nuancenreich. Hier hört man eine erfahrene, routinierte und mit großer Hingabe zu ihrem Instrument musizierende Virtuosin.

Ein Muss für Freunde aparter Klänge – und für Harfen-Fans sowieso.

Silke Mannteufel, kulturradio

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